MP3
VERDAMMT & VERGÖTTERT
Die Fronten sind klar: Auf der einen Seite stehen die fast Omnipotenten Medienmogule mit Ihren Plattenfirmen, die kein Interesse daran haben, dass Musik frei über das Internet kopiert wird. Auch die meisten Musiker haben wenig dafür übrig, dass ihre Werke freie Verbreitung über das Internet erfahren und ihnen dadurch eine Menge Geld durch die Lappen geht. Auf der anderen Seite sitzen Leute, die nicht einsehen den horrenden Preisen der Musikindustrie nachzurennen. Deshalb sehen sie es als legitim an, sich Musikstücke aus dem Internet downzuloaden, fast umsonst. Was aber ist eigentlich MP3? MP3 steht für MPEG Layer 3, ein von der Motion Picture Group entwickeltes Format für das Codieren der Tonspuren von Filmen. Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Indem Musikstücke einer Kompression unterworfen werden und unwichtige, weil nicht hörbare, Informationen weggelassen werden, reduziert sich die Datenmenge auf etwa ein Zehntel der ursprünglichen Größe. Auf diese Weise wird das Downloaden eines Musikstücks auch erst in größeren Mengen möglich, da die Dateigrößen sich in überschaubaren Grenzen halten. Eine Minute Musik entspricht dabei etwa einem Megabyte, bei einer Qualität die mit der einer CD ohne weiteres vergleichbar ist. Der Clou, und für Plattenmultis markerschütternd, ist, dass praktisch jeder, der einen Computer besitzt ohne Probleme MP3s herstellen kann - zum Nulltarif. Es gibt unzählige Free- und Sharewareprogramme die es selbst Anwendern mit geringen Kenntnissen der Materie erlauben fast verlustfreie Kopien seiner Musiksammlung in digitaler Form anzufertigen. Und nicht wenige bieten dann ihre komplette Plattensammlung im Netz zum Download an. Ob das in jedem Fall gesetzeswidrig ist oder nicht, darüber streiten sich die Gelehrten noch, die Medienkonzerne sehen das allerdings schon heute ganz eindeutig: Das Downloaden und Anbieten urheberrechtgeschützer Werke ist verboten und kein Kavaliersdelikt. Das Kopieren von legal erworbenen CD's für den privaten Gebrauch ist durch das Urheberrecht (§53 UrhG) abgedeckt, allerdings dürfen diese Kopien prinzipiell nicht weitergegeben werden. Also auch nicht im Internet zum Download angeboten werden. Plattenfirmen verfolgen deshalb auch entsprechende Anbieter-Homepages im Internet mit allen Mitteln. Allerdings scheint das ein Kampf gegen Windmühlenflügel zu sein: Für eine geschlossene Site schießen 10 weitere aus dem Boden, die Methoden der MP3-Cracks werden immer subtiler und ausgeklügelter. Nicht zuletzt der Bedarf steuert den Markt, es ist sozusagen Mode MP3-Musikstücke auf seinem Rechner zu haben. Kein Wunder, kann doch jeder MP3s mit herkömmlicher Software wie dem Windows-Media-Player abspielen. Dieser ist schon im System integriert und muss noch nichtmal aus dem Netz gezogen werden. Darüber hinaus gibt es natürlich jede Menge komfortabler MP3-Abspielprogramme, einer der meistverwendeten dürfte Winamp (www.winamp.com) sein. Gerade für Winamp gibt es eine Unzahl von sogenannten 'Skins', verschiedenartigsten grafischen Oberflächen, so kann jeder Benutzer dem Programm seinem eigenen Stil anpassen.
Es gibt aber auch legale Downloads geschützer Musik aus dem Internet: Webpages wie mp3.com oder das Internet Underground Music Archive (www.iuma.com) haben Verträge mit Musikern und Plattenfirmen und dürfen MP3-Stücke legal über das Internet zum Download anbieten. Auch die Multis wie Sony (www.Sony.com) versuchen den Verkauf von Musik im Netz anzukurbeln und bieten Dateien im MP3 Format an, allerdings ist der Erfolg eher zweifelhaft. Ein Song kostet in der Regel ca. 2 Dollar, hochgerechnet auf eine ganze Platte macht das umgerechnet satte 40-50 DM. Merkwürdig, dass dies in etwa dem seit Jahren angepeilten Preis für eine CD entspricht. Ein Schelm, wer da einen ausgeklügelten Plan dahinter vermutet. Kein Wunder, dass sich die Konsumenten angesichts solcher Preispolitik eher auf den Tausch von MP3s im Netz verlegen. Viele Benutzer sind aber häufig davon frustriert, dass Links, die zu den gesuchten MP3's führen sollten, schon längst veraltet waren, wenn man versuchte ein Stück auf die heimische Festplatte zu laden. Abhilfe soll nun ein neues Programm namens Napster (www.napster.com)liefern. Das in der Version 2.0 (Beta 5a) vorliegende Tool emöglicht es dem Benutzer auf mehrere hunderttausend MP3-Musikstücke zuzugreifen. Das besondere daran ist: Alles was angeboten wird, ist auch tatsächlich vorhanden, man hat keine toten Links und muss nicht stundenlang suchen, wo und ob es den Wunschsong gibt. Die Recording Association of America (RIAA) hat bereits eine Klage wegen indirekter Copyright-Verletzung eingereicht, Napster verteidigt sich mit dem Argument, dass auf dem eigenen Server keine Musikdaten angeboten werden und man nicht kontrollieren könne, wie die User das Programm nutzen. So erhält man bei jedem Login auf einen Napster-Server auch die Meldung: 'Compliance with copyright law remains your responsibilty'. Zu deutsch: Jeder muss selbst darauf achten, die bestehenden Urheberrechte zu achten. Die Musikindustrie argumentiert letztlich mit dem Spruch: 'Copy kills Music'. Dass soll im Endeffekt heissen, dass das illegale kopieren von Musik den Künstlern und Plattenfirmen so sehr schadet, dass es irgendwann nicht mehr rentabel sein wird neuen Künstlern Chancen zu geben. Allerdings muss man sich bei der Vertragspolitik der Multis, die einigen wenigen 'Stars' Milliarden in die Taschen schütten, Neulinge aber beim ersten Misserfolg sofort 'droppen' fragen, wer denn die Musikkultur an nachhältigsten schädigt.
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