SCHWARZWEISSMALEREI
Mode und Trends sind eine verrückte Sache. Was heute noch angesagt ist, kann morgen schon völlig out und ein paar Jahre später wieder total hip sein. Keine neue Erkenntnis - weiß ich auch. Dennoch faszinierend, wenn man diese Erscheinung auf die Welt der Computer überträgt. Der Taktgeber moderner Rechnermode ist ja bekanntlich die Apfelmarke. Nach der etwas befremdlichen Bonbon-Phase in den späten Neunzigern entschloss sich Apple vor sechs Jahren, den Einsteigerlaptop iBook weiß einzufärben. Simples Farbkonzept, einschlagende Wirkung: Plötzlich war es so was von angesagt, ein 12er iBook zu haben. Kleine Berlin-Mitte-Mädchen, die sich mit dem Thema Computer niemals vorher auseinandergesetzt hatten, verspürten plötzlich den Wunsch nach diesem Schmuckstück. Eine Ikone war geboren, die von vielen anderen Herstellern kopiert wurde. Computer müssen nicht grau und hässlich sein - eine revolutionäre Maxime, die Apple aus der Nische in den Mainstream brachte. Seitdem sind Laptops weiß und iBooks bevölkern samt ihrer Stylobesitzer die WLAN-Cafés der Städte. In letzter Zeit aber werden die iBook-Besitzer unruhig, denn ein neuer Trend zeichnet sich am Horizont ab. Die neuen MacBooks sind schwarz. Schon raunt es durch die Gemeinde der Performer, dass Apple es mal wieder allen gezeigt hätte und wie cool, spektakulär, besonders es wäre, nun einen schwarzen Mac zu kaufen. Auf alle Fälle ein spektakulärer Marketingmove: Erst wenn alle Laptops weiß sind, wirst du merken, wie cool ein schwarzer Laptop ist - spätestens dann, wenn Steve Jobs es dir sagt. Apple kann also demnächst getrost beigefarbene Desktop-Rechner auf den Markt bringen - sie werden sich verkaufen wie geschnitten Brot,
*meint Lou Canova.
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