ESPRESSO IS A BLOGGER'S BEST FRIEND
Wenn der Mac läuft wie geschmiert und keinen Ärger zu machen droht, verlagert sich die Kampfzone des Technikfreaks vom Schreibtisch auf die Arbeitsplatte in der Küche. Während sich also der Windows-Geplagte gerade mit Service-Pack 4392 rumärgert und verzweifelt seine Startdiskette sucht, widmet sich der Apple-User feingeistigeren Baustellen - zum Beispiel der perfekten Zubereitung eines Espresso. Ich gebe zu, dass es sich hier um eine steile These handelt, die ich aber mit mir selbst als Fallbeispiel untermauern kann. Früher hatte ich einen PC und trank anspruchslos Filterkaffee, heute habe ich ein MacBook und kämpfe in enger Zusammenarbeit mit Saeco um Crema, Kaffeearoma und Milchschaum. Bis Ende des 20. Jahrhunderts hätte ich vor lauter Treiberinstallationen gar nicht die Zeit dazu gehabt, mich stundenlang mit der Kaffeemühle Lux zu beschäftigen, um den perfekten Mahlgrad für a) Espresso und b) Café Crème herauszufinden. 16 unterschiedliche Mahlgrade, unterschiedliche Siebeinsätze, verschiedene Variationen der Stopfung - das Abenteuer Espressomaschine ist spannender als so manches Computerspiel. Und dank OS X kann ich mich ausgiebig diesem Hobby widmen.
Zu Recht kann an dieser Stelle behauptet werden, dass das alles Quatsch, Unfug und idiotischer Zeitvertreib für Wohlstandskinder sei, die vor lauter Arroganz, Langeweile und dekadenter Lebensart nicht mehr wissen, wohin mit ihrer Zeit und ihrem Geld. Stimmt. Dann hör doch auf zu lesen! Denn wie singt die Mediengruppe Telekommander so schön? 'Ihr wollt Konsumkritik, doch die kriegt ihr nicht!' Andere Leute tunen ihren PC oder - noch schlimmer - ihr Auto, ich besitze weder das eine noch das andere und bin Espressonazi - so what? Und ein guter Kaffee mit der entsprechenden Menge an belebendem Koffein ist für die kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft doch essentiell! Wie sonst sollte ich wach bleiben und mich auf das Wesentliche konzentrieren können, wenn der schlechte Geschmack eines bitteren Filterkaffees mir schon vor der Wirklichkeitsauslese die Laune vermiest. Wenn ich mir vorstelle, dass ich vorher noch stundenlang versucht hätte, Windows zum Laufen zu bringen, kann ich mir schnell zusammenreimen, warum die Kollegen vom Spiegel so schlechte Texte schreiben. Und bei Springer gibt es auch keinen guten Kaffee, vermutet
* Lou Canova
Gute Texte gibt es auf www.metronaut.de ;-)
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