unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

How to screw it up


Wir haben es also tatsächlich geschafft! Manche von uns hatten die Hoffnung bereits aufgegeben, aber dank des eigenen Mobilitätswahns und einer nimmersatten Industrie hat es die Menschheit nun doch noch hinbekommen, den eigenen Planeten in die Klimakatastrophe zu steuern. Schade, dass es in der relativ nahen Zukunft keine Bücher - von Lesern eben dieser ganz abzusehen - mehr geben wird, in denen der Nachwelt diese selten dämliche Geschichte erzählt werden könnte: 'Und dann sägte der Mensch mit großem Eifer den Ast ab, auf dem er saß.' Da wir anscheinend tatsächlich zu blöde sind, aus der aktuellen Situation die Konsequenzen zu ziehen (Autos mit zu hohem Spritverbrauch verbieten, Kohlebergbau sofort abschaffen, Flugbenzin besteuern), wundert es mich auch überhaupt nicht mehr, mit welch hirnlosen Argumenten die Wirtschaft versucht, kein Geld in den Klimaschutz zu investieren. Jetzt ist wieder die Rede davon, dass der Klimaschutz zu teuer sei und deshalb Arbeitsplätze gestrichen werden müssten. Wir können es uns also nicht leisten, zu überleben und unser Ökosystem vor dem totalen Kollaps zu bewahren, da sonst Arbeitsplätze gestrichen und der Profit der Industrie schrumpfen würde? Da hat jemand das Prinzip der Nachhaltigkeit komplett nicht verstanden. Denn es wäre doch viel toller, wenn auch noch in 100 Jahren überhaupt Profit gemacht werden könnte und auch unsere Enkel auf diesem Planeten leben könnten - ob mit oder ohne Arbeit ist angesichts der Entwicklung zunächst sekundär, oder?


Aber nicht nur die Industrie ist weltweit schizophren. Auch wir auf Individualismus und Selbstverwirklichung getrimmten Mitglieder der nachwachsenden Generation haben einen echten Sockenschuss. Voller Hoffnung auf eine grüne Zukunft knabbern wir jeden Sonntag an unseren Biobrötchen aus dem lokalen Ökoladen und kaufen ganzheitlich angebaute Äpfel. Ach, das tut so gut, ein reines Gewissen zu haben! Aber dass das Obst im Winter aus Neuseeland angekarrt wird, entgeht uns leider völlig. Auch unsere Ausflüge mit den Billigfliegern dieser Welt zu Freunden in ganz Europa - wir sind ja so offen und polyglott - kommen CO2-mäßig nicht so richtig gut weg. Immerhin ist unser Yello-Vattenfall-EON-Strom klimaneutral, weil Atomstrom. Und am 1. Februar haben wir alle für fünf Minuten das Licht ausgemacht, um ganz drastisch und effektiv für eine schöne neue Welt zu kämpfen.


Der Klimaschutz sollte das erklärte Ziel sämtlicher gesellschaftlichen Strömungen werden. Aber das können wir uns wahrscheinlich abschminken. Selbst die Jungs und Mädels von den Grünen haben fette Miles & More-Konten und wissen gar nicht, welches Kofferset sie im Lufthansa Worldshop noch bestellen sollen. Immerhin ist die Schuldfrage eindeutig geklärt.


Wir sind es selbst gewesen, weiß


*Lou Canova


ANZEIGE







...zurück


Du musst eingeloggt sein,
um Kommentare schreiben zu können.


Passwort vergessen?
Registrierung

Kontakt -  Impressum -  Mediadaten -  Abo ·  nach oben