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Hast du EPO in der Blutbahn, kannste radeln wie ein Wu-Tang!




Früher war der Fernsehsommer so schön. Zuerst die letzten spannenden Wochen der Bundesliga, dann die dramatischen Sprint- und Kletterduelle der Tour de France. Von der Tour ging eine magische Anziehungskraft aus. Diese angespannte Ruhe, die feste Choreographie der Teams, die plötzliche Hektik bei einem Ausreißversuch. Das Ganze gespickt mit belanglosen ARD-Kommentartoren, die zum größten Teil nur über den hervorragenden Wein oder den fantastischen Käse redeten, während die Übertragung der Motorradkamera immer wieder abriss. Echte Fernsehgeschichte.


Natürlich wussten wir alle, dass es beim Radsport irgendwie nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Aber erst der schicksalhafte Tag, an dem Jan Ullrich von der Tour ausgeschlossen wurde, ruinierte dieses sportliche Großereignis nachhaltig. Ich hatte mich ja letztes Jahr auf einen fernsehreichen Hochsommer eingestellt: Zuerst die WM und dann - zum entspannten Runterkommen - die Tour de France. Klar, die hat auch stattgefunden und wurde von einer gedopten Kampfmaschine gewonnen. Aber ohne Lance (der sich rechtzeitig abgesetzt hatte) und dann auch noch ohne Ulle (der dumm genug war, sich erwischen zu lassen) - da blieb der Fernseher einfach aus. Vor allem die Lügerei hatte mir persönlich den Spaß an der Tour verdorben. Für wie blöd halten die einen eigentlich? Das nervt wirklich! Und wie!


Würde mit dem Thema Doping etwas ehrlicher umgegangen, wäre die Begeisterung bestimmt schnell wieder da. Die Tour wäre vielleicht sogar spannender und komplexer. Ähnlich wie bei der Formel Eins die Motortechnik, könnte doch beim Radsport Doping als Teil der Teamleistung eingeführt werden. Auf der einen Seite also weiterhin die klare Leistung der Athleten, auf der anderen Seite aber auch die Leistung des jeweiligen Teamlabors. Welches Mittel gibt man am besten in welcher Konzentration in welcher Etappe? Hilft in den Bergen nur EPO oder muss es ein Cocktail aus Amphetaminen und Anabolika sein?


Auch die Medien würden bei der Tour von der Doping-Legalisierung profitieren: Interviews mit den einzelnen Ärtzeteams über die beste Mischung, Blick hinter die Kulissen ins Blutlabor auf den Kanaren und die Homestory beim Hexer von Gran Canaria. Das Ganze könnte auch noch mit Big Brother-Elementen zu einem interaktiven Zuschauerereignis verwandelt werden. Am besten mit Telefon-Voting, welcher Fahrer heute welches Mittel verabreicht bekommen soll - inklusive Live-Übetragung der Blutwerte der einzelnen Athleten. Klar würde dann der ein oder andere wegklappen - aber das passiert jetzt ja auch schon, nur dass die Jungs ihre Herzinfarkte heimlich im Hotel bekommen müssen. Das Konzept der radikalen Transparenz, wie es so manches Dotcom-Unternehmen für sich selbst propagiert, wäre bei der Tour ein absoluter Quotenbringer. Nichts ist spannender als die Wirklichkeit. Schade nur, dass sich das keiner trauen wird, meint


*Lou Canova


Blogger auf EPO gibt's unter www.metronaut.de









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