Kopierte Katzen, hässliche Homepages und blöde Blogs
Das deutsche Internet ist hässlich, blöd und langweilig. Steile These? Mitnichten! Beste Beispiele für uninspirierte Netzprodukte sind OpenBC/Xing, und StudiVZ. Beide Sites sind für viele deutsche Surfer zur primären digitalen Heimat geworden und dabei handelt es sich doch um ziemlich farblose und hässliche Produkte. Nehmen wir den 'Open Business Club', besser bekannt als OpenBC/Xing (witziger Weise hat der Namenswechsel irgendwie nur so halb geklappt und die Macher selbst sprechen von sich in besagter Slash-Form): Auf der Startseite starren mich grauenhafte Business-Typen an, die aus irgendeiner Bilddatenbank royalty-free eingekauft wurden und seit über einem Jahr hier ihren Dienst als geistlose Testimonials verrichten müssen. Bei mir poppt immer der graumelierte Typ auf, der genauso gut in einer Peek & Cloppenburg-Beilage für Pullover posen könnte. Die dahinter stehenden Profilseiten sind nicht mehr als ein digitales Adressbuch und als solches nutze ich das auch. Sieht so Innovation aus?
Auf der anderen Seite und noch viel schlimmer: StudiVZ (ihr Studenten seid doch alle Schuld!). Die Startseite ist der totale Abturn. Ein völlig gesichtsloser Comicmensch fragt, ob man schon drin sei. Vor meinem geistigen Auge sehe ich einen verblödeten Boris Becker, der zu Zeiten der New Economy ähnliche Sprüche für AOL gemacht hat. Meine Antwort: 'Nee, Alter! Ich bin noch nicht 'drin' und werde es auch nicht sein, da mich das Gepuppe von Studenten der Uni in Münster oder Regensburg oder Bielefeld oder wo auch immer überhaupt nicht interessiert und ich froh bin, die ganzen Flachzangen, mit denen ich an der FU Berlin studiert habe, nicht mehr wieder sehen zu müssen!'
Bis auf wenige Ausnahmen ist die deutsche Weblandschaft eine traurige Angelegenheit. Junge Leute mit Tatendrang haben nichts Besseres vor, als US-Ideen zu kopieren und als deutschsprachige Version ins Netz zu stellen. Dahinter steht nichts anderes als der Wunsch, ja die Hoffnung, vom amerikanischen Original alsbald gekauft werden zu können und sich dann mit seinen Millionen als Szenegönner und Top-Web-Checker zu etablieren. Die Brüder S. haben es ja vorgemacht und machen es immer noch und immer mehr machen es schlicht nach. In den USA sind die Deutschen dafür inzwischen bekannt. Dabei sind geklaute Ideen nicht besonders spannend, erst recht nicht, wenn am Ende StudiVZ herauskommt.
Im Mainstream des deutschen Internets gibt es einfach nichts Interessantes. Aber leider sieht es in der Boheme, in der Subkultur, im Untergrund oft nicht anders aus. Allein die deutsche Blogosphäre ist eine Ansammlung von unreifen Vollidioten, die permanent damit beschäftigt sind, sich gegenseitig zu dissen und vom Ende der klassischen Medien zu schreiben. Es wirkt beinahe so, als würden sie versuchen, eine Medienrevolution herbeizuschreiben, die bereits an ihnen vorbeigegangen ist. Spreckblick, Don Alfonso und all die anderen selbsternannten Nachwuchsgrößen wirken doch immer mehr wie die Wachturm-Omas vor Karstadt: Sendungsbewusstsein ohne Publikum.
Ich lese jedenfalls keine Blogeinträge - ich schreib nur welche, sagt *Lou Canova
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