- Publisher: Lou Canova
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Lou Canova
Just Fake It
Der einzige deutsche Politiker, der es bisher wirklich gemacht hat (und das sogar richtig gut), ist Hubertus Heil. Während seines Besuchs auf dem US-Parteitag der Demokraten hat er - ganz wie der Politstar Barack Obama - in die Tasten seines Blackberrys gegriffen und im 140 Zeichentakt auf Twitter.com live nach Deutschland berichtet. Auch wenn Spiegel Online dafür nur Spott übrig hatte - die Webszene hierzulande war von diesem Move des sonst eher langweiligen SPD-Generalsekretär begeistert. In den vielen Berichten über diese Aktion stand zudem, dass der gute Hubertus (was für ein Name!) auch erst 36 Jahre alt ist (diese Information fand ich fast genauso sensationell wie die, dass er jetzt twittert).
Soviel zu Hubertus, der inzwischen auch schon wieder aufgehört hat und bei Twitter nur noch eine digitale Ruine zurückließ. Dabei ist die Webbevölkerung inzwischen mehr als bereit für twitternde Prominenz. Wir sehnen uns nahezu danach, virtuellen Kontakt zu haben - zu virtuellen Politikern. Das zeigt der zunehmende Trend, sich seinen Politiker bei Twitter einfach selbst zu bauen. Bestes Beispiel ist der User namens "Muentefering", der sich direkt nach dem Machtwechsel bei der SPD auf Twitter zu Wort gemeldet hat. Auch wenn es vielen inzwischen klar zu sein scheint, dass sich hinter dem Twitter-Münte nicht der echte Franz Müntefering verbirgt, folgen ihm immer mehr User. Es wäre auch wirklich naiv, daran zu glauben, dass ein 68-jähriger Berufspolitiker und Bald-Parteivorsitzender nichts anderes zu tun hat, als unmittelbar nach seinem politischen Comeback einen Account bei einem hierzulande fast unbekannten Microbloggingdienst anzulegen, um die wenigen deutschen User hier anzusprechen - aber manche wollen es glauben. Und andere kreieren weitere Politiker-Profile, um im Münte-Fahrwasser etwas vom digitalen Ruhm dieses prominenten Fakes abzubekommen - ganz ähnlich wie bei der Aktion mit dem gefakten Steve Jobs in den USA.
Was zeigt uns der Erfolg eines Müntefering bei Twitter? Wir wollen nah dran sein und Twitter gibt uns das Gefühl, dem Menschen näher zu kommen und gleichzeitig bleibt ein Abstand, eine Intimsphäre erhalten, die die Kommunikation für den Twitternden effektiv und trotzdem ungefährlich macht. Wenn Prominente twittern, ist das ein bisschen so wie virtuelles Hände schütteln und Schultern klopfen, wie ein Bad in der Menge, ohne das der Personenschutz in Panik geraten muss. Leider wird das noch lange eine Utopie bleiben, denn bis es einen deutschen Politiker gibt, der Twitter wirklich langfristig und authentisch benutzen wird, werden noch Jahre vergehen. Zum Glück können wir uns in der Zwischenzeit mit den Fakes vergnügen. Nur der User "Kurt Beck" hat unmittelbar nach dem Müntefering die Internetbühne betreten hat, seine Twitter-Karriere an den Nagel gehängt. Aber der war auch als Digitalausgabe ziemlich langweilig, weiß *Lou Canova
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