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Bild: Living Room Concerts
  • Text: Philipp Kohl

Living Room Concerts
Reykjavik Arts Festival


22. – 25. Mai, Reykjavik Arts Festival

Die Finanzkrise hat Island letztes Jahr mächtig durchgeschüttelt. Doch das kreative Völkchen lässt sich wenig anmerken und exportiert seine fabelhaften Bands zu uns; nämlich mit einer Reihe von Gigs des „Nordrid - Iceland Express Musik Klub“. Philipp Kohl hat sich auf der Insel mal umgesehen.

„Welcome to half-price country“ lockte auf dem Tiefpunkt des Kronenkurses ein Schild am Flughafen von Reykjavík. So kaputt wollte sich dann doch keiner fühlen. Man hat das Schild in die Raucherlounge gestellt. Es geht irgendwie weiter in Reykjavík. Ein paar Läden auf der niedlichen Haupteinkaufsstraße Laugavegi stehen leer, aber die feiernde Gesellschaft lässt sich wenig anmerken: Am Wochenende wächst sich die Straße zu einer einzigen Party-Fußgängerzone aus. Wenn man die warme Jahreszeit erwischt, ist es auch durchgehend hell, bis um sechs die Lichter in den Locations ausgehen.

Und davon gibt es auf der Insel, wo gefühlt jeder zweite Bewohner in einer Band spielt, nicht wenige. Etwa das Sodoma, in dessen Herrentoilette sich stille Kapitalismuskritik äußern lässt: Gesichter von Managern, die das Land in den Ruin getrieben haben, sind in die Pissoirs geklebt. Zur Stärkung zwischendurch: ein Hotdog, Marke „SS“. Dann weiter ins Kaffibarinn, eine Bar mit Tanzpotenzial, an der Blur-Sänger Damon Albarn seit längerem Anteilseigner ist. Zwei Ecken weiter stapelt es sich im Karamba, wo sich ein paar Bands zum spontanen Sonntagabend-Gratis-Gig zusammengefunden haben. „Wir haben Party-Zeit“, verkündet FM Belfast-Sänger Árni Vilhjálmsson auf deutsch, der einem kurz zuvor noch ein Bier ausgeschenkt hat. „3,67 Euro “, sagt die Kreditkartenabrechnung später. Dank Kursverfall haben sich die Bierpreise unserem Niveau angenähert, ein Argument für das heimische „Viking“ (FAZ: „wie angezapfter Gletscher“) ist das dennoch kaum.

Es geht auch ohne Schweiß: Bei den „Living Room Concerts“ während des Reykjavík Art Festivals (Ende Mai) werden Wohnzimmer zur Bühne. Amiina zum Beispiel spielen auf ihren zauberhaften Gegenständen (Glockenspiel, Gläser, singende Säge), die Zuschauer sind gebannt. Das Tolle ist: Island kommt zu uns geschwebt, mit dem Programm des „Nordrid - Iceland Musik Express Klub“. Im Oktober unter anderem mit dem Elektro-Projekt Gus Gus, im November gibt sich Multiinstrumental-Barde Ólafur Arnalds die Ehre.

Konzertdaten gibt‘s bald auf: myspace.com/nordrid
oder auch: http://icelandmusic.is


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