- Text: Yessica Yeti
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Gute Tiere - doofe Tiere
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(Ein Plädoyer für die Gleichbehandlung aller Tiere - unabhängig von Rasse, Herkunft oder Fell)
Ich würde mich nicht als ausgesprochenen Tierfreund bezeichnen. Ich bin nett zu Tieren, wenn sie nett zu mir sind. Ich blase keine Frösche auf, trete Hunden nicht von unten gegen den Bauch (obwohl ich es manchmal gerne würde) und esse keine Schlangengurken.
Wenn mir ein kleines Hündchen sein Pfötchen zum Gruße reicht, schlage ich fröhlich ein. Bestehen tue ich auf diese unterwürfige Freundlichkeits-Bekundung aber nicht. Bei mir darf jedes Hündchen sein eigenes Herrchen sein! Ich mache keine großen Unterschiede zwischen einzelnen Tierarten. Ob Truthuhn oder Olm - das sieht für mich alles gleich lecker aus - nämlich NICHT. Als Kind mochte ich Kaulquappen gut leiden. Ich verbrachte jeden Tag mit ihnen. Vor allem, weil ich Hoffnung hatte, sie würden mir irgendwann mal etwas Gutes tun. Irgendwer machte meiner andauernden Vorfreude auf das große Ereignis dann aber den Garaus, als er mir verriet, dass die Viecher Kaulquappen und nicht (wie ICH dachte) Kraulquappen heißen.
Mein Hass-Essen Nr.1 war die Graupen-Suppe. Aus ähnlichen Gründen. Weil ich einfach nie richtig zuhörte.
Die Tiere dieser Erde leben in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Niemand regt sich auf, wenn man einem Okapi versaute Wörter beibringt, wenn man irgendwelches namenloses Meeresgetier mit Wasserfarben bemalt oder hässlichen Käfern falsche Flügel anklebt, die man vorher anderen hässlichen Käfern ausgerissen hat und mit denen sie beim Fliegen total doof aussehen und von allen ausgelacht werden. Diese Tiere kann niemand leiden! Sie haben keine Lobby. Sie sind egal. Bietet man dagegen einem Schimpansen eine Zigarette an oder lässt sich die Wäsche von ihm machen, hagelt es bösen Zorn! Niemand treibt Schabernack mit Eisbären, Flamingos, Möpsen, doof daher hüpfenden Kängurus, Papageien oder öden Koalabären. Das alles sind Tiere erster Klasse. Intelligenzbestien. Götter in Fell!
Das beliebteste Tier der Welt ist der Delfin. Dass sich Delfine anfühlen wie nasse Aktentaschen, doof nach Bällchen hüpfen, keine Beine haben und stinken wie die Post, ist allen egal. Alle lieben Delfine! Niemand liebt Heringe. Niemand will auf Heringen reiten. Gewisse Frauen haben Delfin-Tätowationen. Ein Herings-Tattoo hat keine.
Würde man einem Delfin Samstagabend bei „Wetten Dass“ mit einem Hammer auf den Kopf hauen oder ihn in eine zu enge Schublade stecken - es gäbe einen Volksaufstand! Der überlebende Delfin wäre binnen einer Woche Bundeskanzlerin. Oder Platten-Millionär. Oder beides. Ein Thunfisch in einer Schublade würde niemals Bundeskanzlerin. Er würde Sushi. Warum das so ist, weiß niemand. Außer den Delfinen vielleicht. Und den Schimpansen. Aber die sind ja so klug. Die halten einfach ihren Mund.
Yessica Yeti
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