- Text: Yessica Yeti
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Am Strand
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Hätte Gott gewollt, dass wir uns am Strand rumlümmeln, hätte er uns schönere Körper gemacht. Oder blind.
Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem es schwieriger ist, gut auszusehen, als am Strand. Hauptproblem hierbei ist der eigene Körper, den man dooferweise immer mit sich rumschleppen muss. Dass Badebekleidung dann auch noch aus quasi NICHTS besteht und dieses Nichts aus albernen, M&M’s-farbigen Stoffabfällen gefertigt wird, die man für richtige Mode augenscheinlich nicht verwenden kann, macht das Grauen zwar bunter, aber nicht schöner.
Niemand liebt seinen Körper. Wir sind alle zu dick, zu dünn, vorne zu wenig, hinten zu viel, wabbelig, fusselig, weißfleischige verwarzte Orangenhäuter, traurige Grauwürste mit Spliss, ungelenk, unwürdig und ekelerregend. Einige von uns sehen gut aus. Das sind Arschlöscher. Gott hat die Kleidung erfunden, um unser Elend zu kaschieren. Leider ist die Kleiderordnung am Strand unbarmherzig. Weniger ist Meer!
Bademode ist eine Strafe. Grellbunt, leopardig und albern. Früher wurden Altkleider in die dritte Welt exportiert, um die Eingeborenen wie beknackte Clowns aussehen zu lassen, jetzt rächen die sich mit riesigen Produktionsstätten für Beachwear und reexportieren unseren Abfall als Bikinis und Badehosen. Wer in den Siebzigerjahren erfolgreich im Bereich Tapetendesign, am besten in der DDR, tätig war, entwirft heute Haut(!)-Couture oder ist Art-Director bei der Unterwasser-Vogue. Oder Flip-Flop-Minister in El Arenanal oder El Oralenal.
Frauen, die vermuten, sie seinen dick, tragen Badeanzug. Dass dieser knatscheng anliegt und zum Kaschieren von strukturstarken Bereichen genauso geeignet ist wie eine Wurstpelle uns glauben machen kann, unter ihr sei IRGENDETWAS ANDERES als Wurst, scheint denen Wumpe, aber vor allem Wampe zu sein. Auch schlimm: Der Parero. Die Hüft-Gardine. Der sieht bei Männer genauso doof aus wie lackierte Fußnägel oder Schnurrbart-Extensions und lenkt bei Frauen den Focus auf ihren preiswerten Geschmack bei der Auswahl des Musters. Und überhaupt - sollte das Muster des Strandlakens etwas über den psychischen Zustand seines Besitzers aussagen, sind 80% aller Besucher von Mittelmeerstränden gerade auf LSD oder hoffentlich in therapeutischer Behandlung.
Die einzige Möglichkeit, am Beach gut auszusehen, ist es, sich 40 Meter vor der Küste von einem Hubschrauber ins Wasser werfen zu lassen, nicht näher als 20 Meter ans Ufer zu schwimmen, niemals die Schultern über die Wasseroberfläche zu bewegen, dann wieder zurück zu schwimmen und sich von einem Hai fressen zu lassen.
Oder in die Berge zu fahren. Aber Multifunktionskleidung geht ja auch GAR NICHT.
Yessica Yeti
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