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Tiefsee


Kürzlich sah ich eine Dokumentation über die Tiefsee. Die hässlichsten Kreaturen der Erde wohnen auf dem Grund des Meeres, hieß es dort. Die Erklärung dafür war naheliegend und einleuchtend: Extreme Dunkelheit und mangelnde soziale Kontakte mit Andersartigen machen Aussehen unnötig! Da unten sieht man nichts und es kommt auch niemand vorbei, für den es sich lohnen würde, sich hübsch zu machen. Genau wie in England.

England. Bewölkt. Über Jahrhunderte war diese Insel abgeschnitten von der Zivilisation. Niemand außer Engländern konnte Engländer sehen. So wurden sie hässlich. Gerne hätten sie ihr genetisches Material mit etwas Festland-Sex aufgewertet, aber das war unerreichbar. Niemand hatte das Schiff erfunden. Also ließ Charles Darwin den Engländern, die sich ständig nach Vermehrung mit französischen Straßenmädchen sehnten, Segelohren wachsen. Eine gute Idee. Bis zum Festland kamen sie damit allerdings nie.

Ganz anders die Hula-Hula-Mädchen auf Hawaii. In der Südsee ist immer was los! Die Sonne strahlt, und im Minuten-Rhythmus werden Tonnen von Touristen aus Flugzeugen auf die Inseln gekippt. Wenn es hier Regen gibt, dann sozialen Austausch. Deshalb sind alle Menschen schön. Überhaupt. Überall wo ordentlich populiert wird, machen die Menschen was her. In Rio de Janeiro sehen die Menschen so gut aus, dass sie nur noch mir freiem Oberkörper herumlaufen und ständig vor Glück tanzen. In Oberfranken tanzt niemand. Und vor allem nicht nackt.

Früher hieß die weiter rechts gelegene Seite unseres Landes Dunkeldeutschland. Hier kam keiner rein und keiner raus - und so sah man auch aus. Angeblich soll es in der Sprache der Einheimischen damals 211 verschiedene Worte für „Grau“ gegeben haben. Und bis heute kleidet man sich dort in weiten Teilen so, als hätte man gerade keinen Besuch erwartet.

Aus Gera: Tiefensee. Bundesminister. Hat keine Haare und sieht blöd aus. Aus der Tiefsee: Spongebob und Patrick. Haben keine Haare, sehen auch nur „so mittel“ aus. In der geselligen Sonne von Texas gereift: Das Eichhörnchen Sandy. Niedlich. Keine Frage!

Alle Babys sind irre hässlich und sehen aus wie ein nasser E.T. Auch sie kommen von einem dunklen Ort, an dem man nichts sieht und niemand außer Ultraschall einen sehen kann. Erst wenn man Babys in die Sonne hält und einige Monate wartet, nehmen sie Gestalt an und man muss sich vor Freunden nicht mehr schämen, wenn man sie dabei hat. Besucher von Dark-Rooms sind ebenfalls ausnahmslos unattraktiv und dick wie die Nacht. Wären sie schön und schlank, würden sie ja das Licht anmachen, oder?!

Früher lebte ich in der Provinz. Ich war hässlich. Meine Haare auch. Heute lebe ich in einer richtigen Stadt und sehe nicht mehr so schlimm aus. Hübsch bin ich natürlich immer noch nicht. Aber ich wohne ja auch nicht in der Südsee.
Noch nicht!

Yessica Yeti


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