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Bild: Schwanerei
  • Text: Yessica Yeti
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Schwanerei


Diesen Sommer erschlugen zwei Bayern einen Mann aus Brandenburg. Sie waren genervt von seinem Dialekt. Der Mann stand in München an einer Pommesbude und bestellte sich ein Kaltgetränk. „Ick hätte jern ’ne Cola“. Das reichte! Voller Wut prügelten sie ihn krankenhausreif. Der Brandenburger überlebte. Der Schwan auch. Welcher Schwan? Der, mit dem sie ihn verprügelten!

Dialekt ist die regionale Variation einer gemeinsamen Ausgangssprache. Auch das Opfer variierte ein wenig. Aber um eins zu klären: Der Mann war kein Sachse. Sein Dialekt war weder ekelig noch empfängnisverhütend. Er orderte sein Kaltgetränk auf “Berlinerisch“, einem Sprachverwuchs, der im Allgemeinen als „frech und sympathisch“ gilt. Anders die Täter. Die sprachen Bayerisch. Bayern variieren unsere gemeinsame Ausgangsprache üblicherweise so sehr, dass sie am Ende ähnlich Hochdeutsch sprechen wie Schimpansen. Deshalb sollten Bajuware auch nicht hauen und nie ohne ihre Freunde Demut und Toleranz auf Sauftour gehen. Aber das ist heute nicht unser Thema.

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Die eigentliche Frage ist doch: WO KAM DIESER SCHWAN HER? Wo steht man gewaltbereit und mit Blutrauschen in den Ohren - neben einem Schwan? Und wie kommt man auf die bescheuerte Idee, sich einen zu greifen und damit zu hauen? Wie greift man sich überhaupt einen Schwan? Schon mal versucht, einen zu fangen? Die beiden Männer müssen professionelle Tierjäger gewesen sein. Oder der Schwan war suizidgefährdet, hatte zwei Kescher dabei und WOLLTE gefangen werden. Sonst hätte es mindestens 15 Minuten gedauert, sich das Tier zu schnappen und da wäre die Lust am Prügeln bereits ausgejoggt gewesen.

Aber egal. Gehen wir jetzt mal davon aus, wir stünden neben einem Schwan (was selten genug so ist) und er ließe sich lässig greifen (was definitiv NIE so ist), hätten wir dann jetzt nicht den dämlichsten Gegenstand überhaupt in der Hand, um jemanden damit zu verprügeln?! Mann - das Ding ist aus Federn! Egal, wo ihr jetzt seid. Guckt euch kurz um. Ist nicht alles, was ihr jetzt seht, geeigneter, um jemandem eine damit zu semmeln, als ein verfederter Schwan?! Und wie schlägt man eigentlich mit einem Vogel zu? Packt man ihn am Hals und benutzt ihn als Baseball-Schwan? Nimmt man ihn an den Füßen? Als Schnabel-Peitsche? Oder schlägt man mit dem ganzen Körper des armen Tieres zu, so als wolle man dem Opfer mit Gewalt einen hässlichen Hut aufsetzen? Wie?

Ich für meinen Fall umlaufe in Zukunft Erholungsgebiete, Zoos und öffentliche Plätze mit herumstreunendem Tiergesindel, bevor mir jemand mit einer Amsel in die Augen piekt, mir jemand im Strandband glitschige Fische unter die Füße legt, damit ich mich zu Tode ausrutsche oder mir ein böser Rechtsradikaler mit seinem Yorkshire-Terrier einen Tinitus bellt.

Da bleibe ich lieber zu Hause vorm TV. Bestimmt hat gerade irgendein Irrer Igelhandschuh-Boxen oder Doraden-Tischtennis erfunden. Das gucke ich mir an!

Yessica Yeti


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