- Text: Yessica Yeti
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Umzugsratgeber (Frauen im Gefängnis)
Das Schlimmste am Umziehen ist, dass man seine neuen Nachbarn noch nicht kennt, denn hätte man die jetzige bescheuerte Nachbarschaft vorher gekannt, müsste man nicht schon wieder umziehen!
Deshalb empfehle ich den DVDeria-Test! Wer eine saubere Wohngegend sucht, wo auf der Straße Koks und kein Crack verkauft wird, prüft vorher gründlich die Auslagen seiner zukünftigen Videothek. Schon nach wenigen Sekunden weiß man, ob man auf dem Rückweg zum Bus noch mal überfallen wird oder nur über Bio-Müll stolpert.
Ich zum Beispiel habe mal in Köln-Kalk gewohnt. Ende der Neunziger war Kalk eine der ärmsten Gegenden der BRD. Die Arbeitslosen-Quote lag bei sensationellen 30% und jeden Tag wurden es mehr. Ein Pommes-Brötchen kostete eine Mark, zehn Brötchen aus Sägemehl auch. Wer keine faulen Zähne hatte, galt als „Zugereister“ und wurde abends überfallen. Die Videothek auf der Kalker Hauptstraße war gut sortiert und jeder Film war auf Zielgruppenrelevanz geprüft. Es gab ein Regal mit Kung-Fu, eines mit Action, es gab Kung-Fu/Action, Fickfilme, Chuck Norris, Van Damme, Kung-Fu-Action-Fickfilme und eine ganze Regalwand mit Filmen über Frauen im Gefängnis. Was bitte? JA! FRAUEN IM GEFÄNGNIS. Ich war wie betäubt. Bis zu diesem Tag ahnte ich nicht, dass es so viele Frauen in Gefängnissen gibt. Und dass da Filme drüber gemacht werden. Wer dreht so etwas? Und warum so viel davon? Und wer sieht sich das an? Ich hatte Angst! Leider war der Mietvertrag schon unterschrieben. Doof. Abends wurde ich dann überfallen.
Hier also mein Tipp: Achtet beim Umzug auf OmU-Theken. OmU-Theken verleihen Videos nur in Originalsprache und DVDs ohne den Menüpunkt „Language“. Hier findet man Cineastisches in Sprachen, die nicht mal in den Ländern verstanden werden, in denen die Filme gedreht wurden. Filme aus der Schweiz, Römerfilme in Latein und Unterwasser-Dokus in Blub. Im Umfeld solcher Leihhäuser leben ausnahmslos harmlose Filmschaffende, Hochschulabsolventen und Menschen, die so tun, als wären sie harmlose Filmschaffende oder Hochschulabsolventen. Hier kann man hinziehen! Wer in einer sorgfältig nach sexuellen Praktiken sortierten Porno-Abteilung landet, unterschreibt bitte auch SOFORT seinen Mietvertrag. Diese Gegend ist nicht ekelig, sondern besonders ordentlich! Fahrräder werden hier nicht geklaut sondern nur geliehen oder getauscht. Und die Nachbarn haben keinen lauten Sex! Eher gar keinen.
Gewarnt sei vor Familien-Videotheken. Meidet Disney! Hier leben Kinder. Die trinken Alkopops und üben besoffen Geige. Meidet Horror! Hier wird viel rumgeschrien. Und meidet Denzel Washington! Hier leben „liberale“ FDP-Wähler und hören ihren besoffenen Kindern beim Geigeüben zu.
Ups! In meiner DVDeria gibt es „Die Megageile Küken-Farm“, aus dem Frühwerk der Bambi-gekrönten Schauspielerin Sibel Kekilli als Kauf-DVD für 8 Euro. Mmmhh. Was jetzt? Kaufen? Oder umziehen?
Yessica Yeti
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