- Text: Yessica Yeti
-
Screenshot
Sex und Plop
Jeder Mensch - ob er es schon weiß oder erst jetzt lernt - hat das notdürftige Bedürfnis, der Welt irgendetwas von sich zu hinterlassen. Sterben generell wird irgendwie als unangenehm empfunden.
Also schreiben wir Bücher und Songs, erfinden Popcorn, Twitter, Bratensoße, Juckpulver, lassen uns von Magiern zersägen, erschießen unsere Mitschüler oder zünden im Fernsehen unsere Fürze, unsere Nachbarn oder uns selbst an. Die gängigste Art, sich unsterblich zu machen, heißt "Sex und Plop". Dabei wird der Frau, in einem ästhetisch fragwürdigen und deshalb meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzogenen Akt, unten etwas eingeführt, was sie dann einige Monate später wieder ausführt. Das ist zwar anstrengend, macht aber auch (kurz) Spaß und ist sowohl für Kleingeistige, als auch für Großhirnige ohne viel Üben machbar. Das, was dann geploppt kommt, nennt man "Das Wunder". Es riecht doof, kann kein Bier holen und hat 18 Jahre lang keinen Führerschein. Tollerweise sieht es einem aber unfassbar ähnlich. Dadurch wird man ewig leben. Ziel erreicht! Aber es geht auch einfacher.
Ich zum Beispiel nehme in Hotelzimmern immer alle Bilder ab und schreibe mit Permanentmarker irgendetwas Schlaues auf die Rückseite. Dann hänge ich die Bilder wieder auf. Wahrscheinlich dauert es Jahre, bis meine Geheimbotschaften entdeckt werden, aber irgendwann passiert es und dann wird die Welt staunen. Bestimmt! Auch Kindern von Freunden und Bekannten stecke ich, statt blödem Kleingeld ohne pädagogischen Spielwert, lieber eine Viererpackung Eddings zu. Das garantiert einem bis zu 14 Tage Unsterblichkeit!
Um Freunden und Gästen auf Partys etwas von mir mitzugeben, lecke ich in unbeobachteten Momenten an den Rändern ihrer Flaschen und Gläser. Auf diese Art lebt ein Stück von mir ewig in ihnen weiter. Ein schöner Gedanke! Oft biete ich mich meinen Bekannten auch als Katzensitter an und verwöhne ihre Süßen dann mit völlig überteuertem Edelfutter. Diese Tiere werden NIE WIEDER etwas anders essen. Eher verhungern sie. So etwas vergessen einem Freunde nie!
Kürzlich war ich eine Nacht in Darmstadt. Das Hotelzimmer kam mir bekannt vor, doch eine kopfinterne Recherche ergab: Ich war hier noch nie gewesen. Als ich dann das Malen-nach-Zahlen-Meisterwerk über dem Bett abnahm, um mich auf der Rückseite zu verewigen, drehte sich meine Lebensuhr 13 Jahre zurück. Ich war DOCH schon mal hier gewesen! Und offensichtlich hatte ich damals viel Alkohol und infantile Ausgelassenheit mit im Reisegepäck, denn nur so lässt sich erklären, wieso ich vorhatte, der Menschheit mit folgender Botschaft für immer in Erinnerung zu bleiben: PIPIKACKAWURST. Unterschrieben hatte ich auch! Blöder geht's nimmer.
Ewig leben? So nicht! Vielleicht erfinde ich kariertes Zahnfleisch. Oder leckeres Essen aus Bauschaum. Oder eine gute politisch korrekte Bezeichnung für Mohrenköpfe. Oder ich schreibe eine Kolumne und kümmere mich mal um diese "Sex und Plop"-Sache. Das hört sich doch gar nicht so doof an.
Yessica Yeti
ANZEIGE
Du musst eingeloggt sein,
um Kommentare schreiben zu können.
City Light Thief, Love A
18.02.2012
FLUX Klub - LIVE: City Light Thief, Love A @ Magnet Club - Berlin
