- Text: Yessica Yeti
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Google Life
Der Grund, warum das Internet so erfolgreich ist, sind Suchmaschinen. Gäbe es keine Suchmaschinen, gäbe es kein Internet. Ohne Bing, Ecosia und Google sähe das schöne aufgeräumte Online aus wie ein Messie-Barbie-Puppenhaus nach einem Tsunami oder einem nächtelangen Ken-Bang. Es sähe aus wie bei uns zu Hause.
Der Mensch ist permanent und überall auf der Suche. Es sucht nach sich, nach Liebe, nach kostenlosem Geld, nach Bunga Bunga, der zweiten Socke, dem zweiten Weihnachten und nach einer insolventen Eisdiele mit Räumungsverkauf. Kugel Eis = 10 Cent! Die Menschen suchen nach Kopfschmerzen, um keinen Sex haben zu müssen, nach etwas GEGEN Kopfschmerzen, wenn der andere dann endlich eingeschlafen ist und anschließend nach etwas im Fernsehen, von dem man nicht schon wieder Kopfschmerzen bekommt.
Noch schlimmer sind die Dinge, die man hat und von denen man nicht mehr weiß, wo sie sind. Wo ist mein Handy? Wo ist mein Holzbein? Welches war MEIN Bier? Und warum gibt es im richtigen Leben keine verdammte Suchmaschine? Da steht man vor seinem CD-Regal, vor seinem Spiegelschrank oder seiner Kellertür und sucht verzweifelt die Tastatur und das Eingabefeld mit dem kleinen blinkenden Cursor, in das man dann SAMANTHA FOX, ZAHNSEIDE oder RACLETE eingeben kann und dann sofort die schlimme CD rausflutscht, die Zahnzwischenräume wieder strahlen oder man gefragt wird: „Meinten sie RACLETTE?“
Ich persönlich suche immer! Ich suche meine Haare (vorne), meine Topfigur von 1997 und nach einer passenden Sportart für mich, bei der man viel schläft und auch sonst alles hauptsächlich im Liegen macht. Ich suche jeden Tag nach der Arbeit mein Auto, dann meinen Autoschlüssel (den ich im Büro vergessen habe), dann vorm Büro meinen Büroschlüssel (den ich auch im Büro vergessen habe) und gehe dann, wenn mich jemand reingelassen hat, zurück um Auto, um dann festzustellen, dass ich WIEDER alles im Büro vergessen habe, dort aber niemand mehr ist und ich zu Fuß nach Hause muss, wo ich dann nicht reinkomme, weil ich keinen Haustürschlüssel dabei habe.
Ich suche jeden Abend nach der Uhrzeit, zu der ich am nächsten Tag aufstehen muss. Ich suche den Namen von dem Ding, wo man diese Uhrzeit dann einstellt, um geweckt zu werden. Geweckt? Ah! Wecker! Dann suche ich eben genau diesen Wecker, die Gebrauchsanleitung und dann nach Schlaf, den ich nicht finde, weil ich kurz mal erfolglos versucht habe, Japanisch zu lernen. Frust. Dann denke ich, dass ich morgen verschlafen werde, weil ich das Ding, von dem Ich den Namen SCHON WIEDER vergessen habe, vor lauter Wut gegen die Wand geworfen habe und meine Nachbarin jetzt wach ist und sich von ihrem Mann die Frage gefallen lassen muss, ob sie jetzt eventuell KEINE Kopfschmerzen mehr hätte, wo sie gerade so schön wach wäre.
Heute Morgen habe ich wieder gesucht. Diesmal die EC-Karte. Ich stand in meiner Wohnung und duschte in Ahnungslosigkeit. Ich wünschte mir so sehr ein kleines weißes Feld, in das ich „EC-Karte“ eintippe und das dann „Wäschekorb. Schwarze Jeans. Vordere linke Hosentasche.“, ausspuckt. Ich fragte meine Freundin, ob sie meine Karte gesehen hätte. Meine Freundin ist klug. Sie wusste sofort wo sie ist. Jetzt heißt sie nicht mehr Schatz. Seit heut Morgen heißt sie: Google. GOOGLE LIFE!
Yessica Yeti
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