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Bild: SCREENSHOTS
  • Text: Yessica Yeti
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SCREENSHOTS
TIMMY


Ich gehe gerne langsam. Ich stehe gerne, sitze gerne und liege gerne rum. Mir macht es nichts aus, an roten Ampeln zu warten und ich bleibe auch sonst gerne einfach mal stehen. Denn immer dann – wenn man sich langsamer bewegt als die Welt – zieht diese mit lustigen Schritten an einem vorbei und macht dabei irgendwelchen Blödsinn.

Wie zum Beispiel neulich, als ich bierisch langsam, nahezu unhörbar, mit Unterschall-Geschwindigkeit, durch meine Heimatstraße schlich und mich ganz dolle duckte, damit mich eventuell vorbeifahrende Google-Street-View Kamerawagen nicht erwischen konnten, um nachher Fotos von mir zu veröffentlichen, auf denen ich ganz verschwommen aussehe.

Eine ältere Nachbarin stand vor der Türe und redete mit jemandem. Hörbar erregt. „Timmy“, sagte sie, „Wenn ich gewusst hätte, dass du nur zum Spielen raus willst, dann wären wir oben geblieben. Komm jetzt her! Wir gehen hoch zu Papa. Der spielt dann mit dir. Kommst du?“ Timmys Antwort war überraschend. Er sagte nicht: „Ja, Mama“, oder „Nein, Mama“, sondern „WUFF!“ Timmy war klein, hatte braunes Fell, Waschlappenohren, Schokolinsenaugen und roch nach Kot. Timmy war ein Hund.

Ich weiß, dass Menschen mit Hunden sprechen. Ich selbst habe es bestimmt schon mal getan. Nicht lange. Aber vor allem irgendwie ANDERS. Die Menschen machen einen Unterschied in Vokabular und Tonfall, je nachdem, ob sie mit ihrem Hund, ihrer Mama, einer Prostituierten oder ihrem Bewährungshelfer sprechen. Niemand sagt: „Fick dich, du Hure, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“, zu seiner Freundin oder versucht eine Torte zu kaufen mit den Worten: “ Na, wo hat der kleine Kacka-Kacka-Bäcka denn seine Happa-Happa-Torte? Na, wo denn?“ Niemand!

Ich weiß, dass Menschen und Hunde seit Jahrhunderten ein extremes Verhältnis pflegen und ich glaube auch, dass ganz bestimmte Menschen zu ihren Hunden ein ganz BESONDERS extremes Verhältnis pflegen. Egal. Menschen mögen Hunde. Sie baden sie, sie föhnen sie und schleckern sie ab. Sie kaufen ihnen Schuhe, Schmuck und Koks und bringen ihnen Männchen und amputieren bei. Hunde haben ihre eigenen Salons, Clubs, Schulen und Autos. Es gibt Zeitschriften, Zahnbürsten, Bars, Restaurants, Hotels und alkoholfreien Champagner für Hunde. Hunde heiraten, lassen sich scheiden und gehen in den Puff. Es gibt sogar Hunde, die so reich sind, dass sie sich selbst Hunde halten. Für Hunde gibt es ALLES! Trotzdem sind Hunde keine Menschen, sondern allenfalls ihr bester Freund (nach Alkohol) und deshalb muss die Konversation mit ihnen auch keinem wissenschaftlichen Anspruch gerecht werden. Es muss – ehrlich gesagt – nicht mal Konversation sein. „Mach Sitz“, „Platz“ und „Fass!“ reichen völlig aus.

Gestern habe ich Timmy und Frauchen aufgelauert. Ich wollte mehr. Und es gab mehr! „Mann! Bist du dumm? Ich habe dir tausend Mal gesagt, wenn ICH über die Straße gehe, dann gehst du mit. Jetzt bleibst du so lange drüben, bis ich dich hole.“ Diesmal war die Antwort verständlicher: „Ja, Schatz!“, sagte ihr Mann. Und blieb drüben. Bis sie ihn holte.


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