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  • Text: Yessica Yeti
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Die Zahnbürste


Eine Bekannte erzählte uns von einer Höllennacht. Ein Streit mit ihrem Freund war am Vorabend ins Unermessliche eskaliert und obwohl sie bereits auf die Couch umgezogen war, brodelte die Wut in ihr weiter. Also stand sie auf und wurde handgreiflich. Auf ihre ganz persönliche Art: „Ich war so sauer. Oh Gott! Also bin ins Bad gegangen. Da hab’ ich dann voller Wut und wie im Rausch einfach seine Zahnbürste genommen und... versteckt! Weg war sie.“ Und sie ergänzte: „Ich bin ja nicht doof: Die Ersatzzahnbürsten hab ich natürlich auch alle versteckt!“

Im Amtsgericht in der Möckernstraße in Berlin gibt es einen Check-In. Wie am Flughafen. Hier wird man vor Betreten des Gebäudes auf den Besitz von Nagelscheren, gewaltbereiten Flüssigkeiten und Atomraketen überprüft. Das Amtsgericht in der Möckernstraße ist das einzige in Berlin, in dem man sich einer solchen Prozedur unterziehen muss. Warum? Weil im selben Gebäude auch das Familiengericht untergebracht ist und nirgends so viel Gewalt und bewaffnete Auseinandersetzungen stattfinden, wie im kuscheligen Kreis der Liebsten.

Ja. Die häufigsten Unfälle passieren zu Hause. Und die wenigsten davon sind welche! Denn im Streit mit dem Partner fliegt grundsätzlich alles vorsätzlich (und mitunter überraschend gezielt) in die Richtung des Geliebten. Beliebt sind hier Dinge, die ordentlich weh tun und möglichst nicht von einem selbst gekauft wurden. Da wird geworfen, gehauen geschossen und gesprengt. Und während es in Krieg internationale Regeln und Gesetze gibt, gilt in der Beziehung nur: Mach kaputt, was dich kaputt macht!

Dabei gibt es auch Alternativen zu bösem Hauehaue und Haareziehen. Einfach mal im Blutrausch die Zahnbürste des Partners verstecken. So geht’s doch auch! Einfach mal fett Schuhcreme unter die Türklinke schmieren, wenn der/die Alte nicht spurt. Oder die Schnürsenkel zusammenbinden. Oder im Schlaf mit Edding einen Schnurrbart anmalen. Oder eine Brille! Dann den Spiegel im Bad abhängen und seinen Schatz mit Eddingbrille zur Arbeit gehen lassen. Hahaha. Und dann noch Knoblauchzehen in die Vierfrucht-Marmelade stecken. Das baut Spannungen ab!

Da kauft man einfach mal drei Wochen lang das gaaanz harte Klopapier und schneidet alle Vokale aus der InStyle aus. Das Chanel No. 5 mit Axe auffüllen, Wurstwasser ins After Shave und bei allen Kontakten im Handy eine Zahl ändern. So werden Aggressionen gezielt kanalisiert! Dann Kaugummi in die Schamhaare und Microsoft-Logos auf alle Apple Produkte kleben, Zucker und Salz austauschen, im Bett die Wintersteppdecke auf die Sommerseite drehen, eine Erbse unter die Matratze legen und die Heizung in der ganzen Wohnung von 23 Grad auf 22,5 Grad runterdrehen. Aber nix sagen! Pssscht!

Als ich beim Amtsgericht in der Möckernstraße einchecke, werde ich gebeten, meine Tasche zu öffnen. Der Inhalt: Zwei Eddings, eine Frauenzeitschrift, eine FDP Wahlkampfbroschüre mit aufgemalten Schnurrbärten und ein alter Toshiba Laptop mit aufgeklebtem Apple-Logo. Keine Atomrakete. Ich werde problemlos durchgewunken. Geht doch!


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