- Text: Yessica Yeti
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BUM BUM BUM
Eine rote Ampel. Zwei Autos. In einem ich. Im anderen ein ballonseidener Irrer mit einer Auto-Hifi-Anlage, so laut, dass zwei Hochschwangere vor uns auf der Straße blitzgebären und ein verirrter Satellit in die benachbarte Bio-Metzgerei einschlägt. Jemand klopft ans Fenster des Irren. Klopfer: „Was hörst Du da?“ Irrer: „Was?" Klopfer: „Was Du da hörst?“ Irrer: „Was?“ Klopfer: „Was höööörst Du da?“ Irrer: „Ich? Ähh... MUSIK.“
Das sehe ich ANDERS!
Die zeitgemäße Variante des Ghettoblasters ist das Bumsmobil. Das Bumsmobil kann Brumm und Bums. Es muss nicht, wie der Ghettoblaster, mühselig auf der Schulter herumgetragen werden. Im Gegenteil. Es trägt sich von alleine. Und einen selbst noch mit.
Immer, wenn Menschen in Bumsmobilen an der Ampel warten und lautstark ihre innere Leere (oben) nach außen kehren und ihre Strukturarmut (unten, vorne) kompensieren, machen sie das entweder mit der 2011er Variante von dem, was in den Neunzigern treffenderweise Euro-Trash hieß oder mit Fotzen-Rap. Niemals und nie kommt aus solchen Autos gute Musik. Niemals und nie hört jemand in solchen Autos Gitarrenmusik oder wenigsten Klassik, Hörbücher, die Nachrichten oder den Wetterbericht. Niemals sitzt eine Frau in solchen Autos. Und niemals steht auf der Heckscheibe ABI 2009.
Car-HiFi-Anlagen im XXL-Format werden ausschließlich von Männern mit XXS-Musik-Geschmack gekauft. Das ist traurig. Und sinnlos! Ungefähr so, als würden Staubsauger nur von Menschen gekauft, die gar keine Wohnung haben. Oder als würden Haustiere nur von Leuten erworben, die Schlachtereien besitzen. Menschen, die sich außerhalb der Top-10-Charts-Zone bewegen, hausieren offensichtlich in den Kellergewölben unserer Sozialpyramide oder geben ihr gesamtes Erspartes für Drogen, Kontrazeptiva und Proberaummiete aus. Sie können sich ein richtiges Bum Bum gar nicht leisten. Und wenn sie es können, haben sie kein Geld mehr für ein Brumm.
Sie wissen nichts von Subwoofern. Sie hören Musik ihr ganzes Leben lang über Abspielgeräte, die normalerweise benutzt werden, um Weißbrot zu toasten oder zu verhindern, dass Weihnachtsbäume umfallen. In den Testlabors von Kenwood und Konsorten weiß man das. Dort gibt es ausnahmslos und nur noch Platten von Groove Coverage, Cascada, King Orgasmus One und Trance-Sampler mit Delfinen drauf. Damit wird dann getestet, ob der Bass boostet und alle Neurotransmitter auf Nullfunktion setzt. Musik von den Pixies, System Of A Down oder Amy Winehouse ist auf den Geräten gar nicht mehr abspielbar. Außer als Remix von den Discoboys. Oder vom David Guetta.
Wir spulen kurz zurück: Die selbe Ampel. Die selben Autos. Klopfer: „Was Du da hörst?“ Irrer: „Was?“ Klopfer: „Was höööörst Du da?“ Irrer: „Ich? Ähhh... MUSIK!" Klopfer: „Ach so. Musik. Ich dachte, Du hörst Mr. Saxobeat.“
Aha! Mr. Saxobeat ist keine Musik. Na, das möchte ich aber jetzt nicht gehört haben.
Yessica Yeti
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on Männern mit XXS-Musik-Geschmack
Göttlich! Wir man von Yessica Yeti irgendwo mal noch was lesen können?