E-Mail von Gott
Wer eh schon viele E-Mails bekommt, der bekommt NOCH mehr ungebetene Mails von Leuten, die er nicht kennt. Spam-Mails sind eine Seuche! Als hätten sich die Zeugen Jehovas mit unseren Omas und der GEZ gepaart, um die Brut des schlimmsten ungebetenen Besuchs der Welt zu gebären. Gelungen! Bäh. Die meisten dieser Mails kommen von Absendern, die sich Fantasienamen wie Ceallachl Fiorentino, Etzell Chalkozite oder Machlom Bermudeß geben. Und genau da geht’s schon los! Machlom Bermudeß? Glaubt wirklich irgendwer, der Spam-Mails verschickt, dass ich jemanden kenne, der Machlom Bermudeß heißt? Dass ich diese Mail öffne? Sauft ihr eure Druckerpatronen? Geht's noch?
Ich habe mir einen Ordner mit vertrauenswürdiger Spam-Mail angelegt. Mit Mails von Absendern, deren Namen mir seriös erscheinen. Allem Voran habe ich da eine Mail des argentinischen Revolutionärs Che Guevara, der mir hochwertige, originalverpackte Software zu Knallerpreisen anbietet. Ich hatte mich eh immer gefragt, was Che nach seinem Tod so treibt. Viva Ernesto! Desweiteren habe ich eine Einladung in einen "Check-Room" (???), in der mir die sympathische Schlagersängerin Vicky Leandros ihre "Auslagen" zeigen will. Und Spiderman und Collin Farrell meinen, ich könne meiner zunehmenden Fettleibigkeit mit einem Hormon der Firma "Elephant" entgegenwirken. Das sind Freunde!
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Höhepunkt meiner Sammlung ist eine E-Mail von Gott! (der im Übrigen nicht Grieche oder Iraner ist, wie ich wegen seines langen Bartes immer annahm, sondern Engländer oder Amerikaner, der seine Mails in akzentfreiem, HTML-formatierten Englisch schreibt!) Gott schrieb mir, dass die Länge meines Geschlechtsorgans den Ansprüchen einer modernen Gesellschaft nicht mehr genüge. Die Zeiten, in denen man Männern Hoffnung machte, dass sie auch mit sehr kurzen Penanten hervorragenden Sex haben könnten, seien endgültig vorbei. Lange genug hatten die Frauen unter dieser schlimmen Propaganda gelitten und forderten jetzt Genugtuung. So ungefähr seine Worte. Dann folgte eine spannende Übersicht über Produkte aus dem Penisverlängerungs-Gewerbe - mit Preisen! Was für ein Service!
Gott ist ja nur zu Recht Gott, wenn er sich solch schwerwiegenden Problemen annimmt. Hallelujah. Über den Sachverhalt selbst war ich natürlich schockiert! Die armen Mädchen - wie müssen die all die all die Jahre gelitten haben. Wobei ich mich gerade frage: "Bekommen Frauen eigentlich auch Mails, in denen ihnen angeboten wird, ihre Klitoris verlängern zu lassen? Erfüllen die gängigen, normalen, stummeligen Klitorisse noch die Erwartungen einer modernen Gesellschaft? Mmmhhh.
Jedenfalls genau in diesem Moment erinnerte ich mich an die gute alte Tradition, sich fremderleuts Fotoapparate auszuleihen, auf die Toilette zu gehen und ein Foto seiner Auslage zu machen, um die Besitzer des Apparates dann Wochen später beim Durchgucken ihrer Abzüge, anonym aber erstklassig zu unterhalten. Zeitgemäß digital bewaffnet fotografierte ich mein mächtiges Stielleben, um es nur wenige Minuten später als E-Mail-Anhang an Gott zu schicken.
Seit dem hat er mir nie wieder geschrieben. Echt!
Yessica Yeti
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