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Bild: GEDANKENSPLITTER

GEDANKENSPLITTER
WER HOCH SPRINGT KANN TIEF FALLEN, ODER:


Über die Ästhetik beim Stage diven!
Diese Thematik kann man meines Erachtens gar nicht oft genug öffentlich ausposaunen: Wir sind allesamt jede Woche auf Konzerten unterwegs, in denen mehr oder weniger Körpereinsatz gefordert ist und in denen die Frage nach dem Individuum in der Masse, ja, in der gesamten Gesellschaft gestellt wird. Klingt zu pseudo-philosophisch? Ist aber Realität, und ich wette, jeder hat sich schon für eine Sekunde gewundert, was er mit solch vielen fremden Menschen in einem geschlossenen Raum tut, in dem Hörsturz droht, man mit Händen und Füßen traktiert wird, und auch schon mal Prellungen, blaue Flecken und Nasenbluten davonträgt. Ist doch eigentlich völlig bescheuert, was wir unsere Gesundheit da für Gefahren aussetzen! Und doch werden viele Leser übereinstimmen, dass es nix Besseres gibt als einen geprellten Steiß, Muskelkater in den Armen und kunterbunte Schienbeine. Hey, ich meine, das ist das Leben, oder besser: In solchen Momenten nach einem Konzert und einem gesunden Moshpit merkt man doch erst, dass man noch lebt!! Ach, was habe ich in diesem Zusammenhang schon alles für schöne Verletzungen gesehen, einige Leute werden da nicht so ganz meiner Meinung sein, aber wie sagt man so schön: Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne, und jeder sollte sich vor dem Gang auf ein harrrrrtes Konzert im Klaren sein, was er/sie sich und anderen da antut. Am besten noch mit anschließender Geld-zurück-Forderung, oder was, Ihr PunkRock-Pussies! Hinterher rumheulen iss nich, ey, und solche Weichspüler wie AT THE DRIVE-IN oder die GET UP KIDS mit ihren 'Wenn-hier-jemand-pogt-oder-rempelt-dann-brechen-wir-sofort-die-Show-ab'-Ansagen sollte man kollektiv von der Bühne schubsen! Moshpits regeln sich entweder von selber oder gar nicht, dazu brauchen wir keine Mentoren, denn solche Ansagen widersprechen krass den Idealen, die PunkRock, HardCore und Co. eigentlich verkörpern. Im Gegensatz zum Mutterland des gepflegten Slamdance, den USA, läuft bei uns nämlich immer noch eine verdammt harmlose Version von 'Ringelpiez mit Anfassen'. Da muss man wirklich um sein Leben fürchten: Entweder die Gorillas in der Pitmitte zermatschen dich zu Müsli oder die Bouncer machen dich 'nen Kopf kleiner. Also: entweder die Szene schafft es, gegenseitig und untereinander auf sich aufzupassen, oder die ganze Idee von einem selbstverwalteten Raum ist futsch. Klar, da sind auch immer irgendwelche Deppen am Start, die die Spielregeln partout nicht fressen wollen, Stress machen und sogar Kleinere und Schwächere verletzen (hier würde mich mal interessieren, wie sich die Mädels unter Euch heutzutage auf Konzerten fühlen, mailt mir!). Dann sollte man in der Gruppe aber auch stark genug sein, um solche Störenfriede zur Raison zu rufen. Die Popnasen CHUMBAWAMBA haben mal ganz weise gesagt, dass 'Anarchie ist, wenn alle Spaß haben und abgehen, dabei aber immer Rücksicht auf das Wohl des Einzelnen nehmen'. Das trifft's. Und natürlich schafft es irgend so ein Arschloch immer wieder, im falschen Moment (nämlich wenn man gerade wo ganz anders hinguckt und gar nicht mit einem Frontalangriff rechnet) einem voll in die Fresse zu springen. Dann macht's nur kurz 'knack' und der Schreiber dieser Zeilen hat die Quittung für seine blöde Schwafelei bekommen, aber ich bin mir halt immer im Klaren, dass sowas einfach passieren kann, wenn ich nicht hundertprozentig aufpasse. Man begibt sich mit dem Eintritt in den Club doch in eine in sich autarke Gesellschaft, in der für die Dauer der Show eigene Regeln gelten. Ich meine, ich kann mich doch 'draußen' auch nicht dauernd beschweren, ich hätte von nix gewusst und wie gemein das alles ist. Pah. Wenn ich z.B. von der Bühne springe, ist es natürlich sehr angenehm, die Masse unter mir nur als wirklich solche zu sehen und nicht als Menschen, die ich auch verletzen könnte. Einige Kandidaten scheinen sich über ihre Verantwortung nämlich gar nicht bewusst zu sein. Wir springen da in Menschen, in Freunde, in Gleichgesinnte ... was meint Ihr Kung-Fu-Aspiranten denn, wie toll Ihr landet, wenn Euch bei Sprüngen mit den Füßen voraus oder bei anderen Kickboxeinlagen mal das Auffangen boykottiert wird ...! Ein Geben und Nehmen, wie im richtigen Leben. Und wer meinen dicken Hintern fängt, den sollte auch ich fangen und nicht etwa einen entzückten Schritt zur Seite gehen. Lustig und gar lächerlich hingegen sind all die Suppenkasper, die erst heroisch auf die Bühne klettern, um dann sekundenlang zu zappeln und ängstlich um Unterstützung winken. Hey, Hosenpisser, dann kletter nicht erst rauf, wenn Du Angst vor den Konsequenzen hast! Da schließt sich nämlich der Kreis, denn wen ich im Pit hart aber herzlich behandelt habe, dem sollte auch ich bei meinem Sprung blind trauen können ... zumindest bis zu meiner nächsten Steißprellung. In diesem Sinne, see you guys in the pit! (steven-elpogo@gmx.net)


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