unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

  • Text: Yessica Yeti
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Phantasialand


Ich habe zu viel Phantasie! Ist doch dufte, wenn wenigstens UNTER den Geheimratsecken ordentlich etwas blüht, werdet ihr sagen. Ja klar - sage ich da, wenn man sein Gehirn mal zu was Aufregendem zwingen will ist Phantasie natürlich spitze! Ich kann mir Krankenschwestern mit Unterwäsche, Berlin ohne Hundehaufen und mich selbst ohne Bauch vorstellen. Ich kann mir aus dem Stehgreif so tolle Weisheiten ausdenken wie: Selbst das leckerste Eis ist im Winter auch nur kalt! Toll - aber für meine Bedürfnisse ist das Ganze irgendwie ZU plastisch, und kontrollieren lässt es sich auch nicht. Beispielsweise stelle ich mir ständig Paare aus meiner Umgebung bei der Fortpflanzung vor. Nicht ununterbrochen, aber immer wenn Zeit dazu ist. Hochzeits- oder schlimmer noch Beerdigungsfeierlichkeiten sehen in meiner Phantasie wie etwas aus, wofür man am Ausleihtresen der DVDeria normalerweise einen Altersnachweis vorlegen muss. Ich weiß haargenau, wer in meinem Bekanntenkreis wie talentiert und auf welche Weise seine sexuelle Notdurft verrichtet. Auf meiner morgendlichen U-Bahnstrecke habe ich alle Mitfahrenden gescannt. Ich kann euch bei jeder Neukölln-X-Berg-Travelerin sofort sagen ob sie Spaß daran hat oder nur so mitmacht. Ich sage euch bei jedem Typen, ob er einfach nur schlecht im Bett oder ob er, wie die meisten, in den Bereichen Motorik und Emotionalität so verkrüppelt ist, dass man beim Sex ständig das Gefühl hat, er sei im Krieg und müsse bei Bodenfrost mit seinem Prallhans alleine einen Schützengraben ausheben. Früher oder später todbringendes Übergewicht, Zahnfäule in Endstadium oder eine enge verwandtschaftliche Verbindung ? nichts hält meine Phantasie davon ab, es mir in 4D in Dolby-Supersourround vor mein inneres Auge zu klatschen.
Ja - selbst meine Eltern waren schon Protagonisten einer solchen Ich-Immanenten Sneak-Preview. Nennen wir das Baby beim Namen: es ist ekelerregend! Und die Lösung? Wie bei allen zweifelhaften Errungenschaften der Weltgeschichte muss auch ich wohl versuchen, mein Talent zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Ich harre also der Dinge, warte bis die Topabsolventen der kommenden Eliteuniversitäten ein haar-trocknerahnliches Gerät entwickeln, das sie mit Saugnäpfen an meiner bis dahin von Harren völlig befreiten Kopfplatte anbringen und meinen Geistesmüll ins TV-Kabelnetz einspeisen. Dann gucke ich den ganzen Tag MTV, Kika und Bundestagsdebatten und übertrage meine Hirnsexphantasien auf meinen eigenen Pay-TV-Kanal. Y-TV ? ihr guckt und ich werde reich! Ja - genauso machen wir das!


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