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Miss Marple


Als die erste Hälfte meines volltrunkenen Wochenendes letztens beschloss, seine zweite Hälfte nicht bei Bier im Dunkeln, sondern auf Tee im Liegen zu verbringen, schmiss sie mich mit voller Wucht auf den Fleischmagneten, knipste die Kiste an und überraschte mich mit Großartigem: 'Die lange Miss Marple Nacht'! Vier Filme hintereinander - keine Werbung! Sofort kam der Tee in den Ausguss und ein Fläschchen leckerster Rotwein zum lieben Onkel an den Hals. Miss Marple Filme haben nichts, aber auch gar nichts mit dem tun, was das Jahr 2004 meint, wenn es von Kinounterhaltung redet. Miss Marple explodiert NIE! Weder sie noch irgendwas in ihrem Umfeld macht Bumm. Nichts kann fliegen oder bewegt sich schneller vorwärts als der friedliche Finger eines Urologen. Mister Stringer und Mrs. Marple waren im wirklichen Leben verheiratet und die Vorstellung, dass diese Ehe ab und an vollzogen wurde, ist ebenso absurd wie die Tatsache, dass im Abspann Stuntmen Erwähnung finden. Eine komplette Folge hat nicht mehr Schnitte als der Unterarm einer Borderline-Patientin. Alle vier Filme zusammen haben soviel Szenenwechsel wie ein Marilyn Manson-Videoclip. Obwohl sie so aussieht, hat Miss Marple nie mit radioaktiver Strahlung und Panzerechsen experimentiert und sich dann bei einem schlimmen Unfall in die 'Schildkrötenfrau' verwandelt. Niemand kann Kung-Fu und alles ist schwarz/weiß. Selbst ein Viertel Pfund LSD würde dieses Farbspektrum nur unwesentlich erweitern. Alles gut! Ich entspanne wie bescheuert, und auf dem Landsitz North Cothelstone Hall von Lord und Lady Hesketh-Fortescue bleibt alles schön zweifarbig. Da auch die Filmproduzenten der wilden Sixties wussten, dass Sex sich besser verkauft, haben sie Frau Marple am Computer Riesentitten anmontiert. Auch nach zweieinhalb Stunden in Paddington regt sich bei mir nichts. Wahrscheinlich bin ich impotent. Die Klamotten der Superdetektivin fangen an, mir zu gefallen. Ich stelle mir vor, mir ein Poster von Miss Marple in den Spind zu hängen und mich von meinen Freunden im Sport-Studio verprügeln und zu Tode hänseln zu lassen, wenn sie es entdecken. Bevor mir klar wird, dass ich noch nie in einem Sport-Studio war, ist der Miss Marple-Spaß nach nur sechs Stunden vorbei. Sechs kurze Stunden in Dolby-Surround-Mono, 2-D, No-Fidelity! Kann ich jetzt nie wieder in die Zivilisation zurückkehren? Nimmt mich die Gesellschaft wieder auf oder ich muss meine Leidenschaft für geschwindigkeits- und farbreduzierte Fernsehunterhaltung genauso verschweigen wie meine wöchentlichen Reitstunden? Auf Keinsten das! Legt euch gehackt, meine Freunde - ICH bin erlöst! Denn während ihr noch in den Kinoschlangen steht und euch die allumfassende Frage stellt: ''Riddick' oder die 'Sieben Zwerge'?', lass ich schon wieder meine Couch tieferlegen. Heute gibt's was in Farbe! 'Die lange Nacht mit Doris Day.'


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