DIE BESTEN SNOWBOARDER EUROPAS
'GARMISCH BRAUCHT SOWAS'
Blitzlichtgewitter prasseln nieder. Ohrenbetäubendes Gekreische hallt durch die Luft. Dicke, fette Bodyguards versuchen, den Durchbruch der tobenden Fanmeute zu verhindern und bewahren kleine Mädels davor, sich durch die Absperrungen zu quetschen. Denn nur drei Meter von ihnen entfernt schreiten die Topstars in ihren dunklen Anzügen und eleganten Kleidern über den roten Teppich zur Oscar-Verleihung in Garmisch Partenkirchen. Was?
Okay, nicht ganz! Oscar heißt in diesem Fall 'European Award'. Und die Topstars sind keine Schauspieler sondern die besten Snowboarder Europas. Der rote Teppich vor dem Kongresshaus in Garmisch hörte bereits zehn Meter vor der Eingangstür auf. Und auch die Fans waren Mangelware. Für Getobe und Geschrei sorgten die geladenen Gäste selbst, da der Organisator sie - warum weiß er wahrscheinlich selbst nicht - draußen in der Kälte knapp eine Stunde lang stehen und warten ließ.
Als man dann endlich halbgefroren im Foyer des Kongresshauses stand und sich mit Red Bull Sekt oder Red Bull Wodka wärmte, ging es auch schon los. Im Konzertsaal fand die Verleihung statt. In bunten Farben stach die Bühne mit dem Rednerpult (links) und den Awards (rechts) hervor. Was allerdings im Laufe der Verleihung noch mehr hervorstach, war das lustige Moderatoren-Duo, in dem besonders MTV-Frau Nandini glänzte. Mit ihrem Auftritt dürfte sie eine Rolle im nächsten Monty-Python-Streifen sicher haben.
Zu Beginn versuchte sie ihr Desintresse mit Geblubber über das Outfit der einzelnen Boarder zu vertuschen. 'Gleich kommt ein toller Typ mit einer ganz coolen Jacke.' Als sie dann auch noch versuchte Österreichs Überflieger Stefan Gimpl in ein Gespräch zu verwickeln, kam ihr die Musik-Einspielung für die nominierten Boarder dazwischen, die jeweils auf einer fetten Leinwand kurz eingeblendet wurden. 'Halt, stopp! Ich wollte noch was sagen', grinste sie in ihr Mikrofon hinein. Später wurde ihr fast ein Kabel zum Verhängnis, aber einen Sturz konnte sie Armeschwingend vermeiden. Danach schien sie die Lust völlig verloren zu haben und bevorzugte, anstatt zum Publikum zu sprechen, die Seitenwände rechts und links von sich anzustarren - that's entertainment!
Aber die große Nandini war nicht die einzige Attraktion der Zirkus-Schau. Zur Halbzeit traten zwei seltsame Gestalten mit Laptops unter dem Arm auf die Bühne. Gekonnt hockten sie sich im Schneidersitz auf den Boden und zuckten mit den Köpfen während sie eine Zigarette rauchten. Echt cool! Wie sich herausstellte waren das CJs (Computerjockeys), die mit einem undefinierbaren Sound die Leute aus dem Saal trieben. Zeit für die nächste Ladung Red Bull Wodka, doch das Zeug war bereits aus. Und ein lumpiges Glas Sekt kostete gleich 8.- Mark. Egal - zurück zum Award.
Schließlich traten auch die wahren Stars - die besten Snowboarder Europas - kurzzeitig auf die Bühne, um ihren Award entgegen zu nehmen. Zum Beispiel Nicola Thost (beste Freestyle-Fahrerin 1999), Katharina Himmler (beste Alpinfahrerin 1999) oder Daniel Franck (bester Freestyler 1999), die frenetisch gefeiert wurden. Die Boarder waren somit auch der einzige Lichtblick des Awards.
Für die größten Jubelstürme sorgte allerdings Biwi. Biwi ist nicht die bayrische Antwort auf die Minisalami Bifi oder eine tropische Frucht aus dem Allgäu. Nein! Biwi ist aus Fleisch und Blut, wurde auf den Namen Willi Rehm getauft und ist der Vize-Bürgermeister Garmisch Partenkirchens. In seiner feschen Tracht grüßte der symphatische Stadthalter die Snowboarder: 'Garmisch braucht so etwas.' Worauf der Saal tobte. Den Abschluss des mehr oder mehr weniger glanzvollen Awards brachte die Band THE KING, die allerdings noch etwas an ihrem Playback arbeiten muss. Aber immerhin: Lustig war der 'European Award' bis zur letzten Sekunde. Da hätte sogar Oscar einiges zu lachen gehabt.
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