- Text: Holger Hoffmann
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snowboard wm 2003
11. bis 19.01. Kreischberg/Österreich
Große Namen sind nicht immer alles, wenn es um die Vergabe großer Spiele geht. Ein durchdachtes Konzept, erfahrene Organisatoren und viel Engagement können auch vermeintlich kleine Chancen ganz groß werden lassen.
So geschehen bei der Vergabe um die Austragungsstätte der Snowboard Weltmeisterschaft 2003. Hier setzte sich das kleine Kreischberg im Murtal gegen den schier unschlagbaren Favoriten Whistler/Kanada durch. Wie sich jetzt schon abzeichnet, geschah dies nicht zu Unrecht. Von Anbeginn der Snowboardbewegung versuchten die Murtaler, diesen Sport zu fördern. So entstand hier eine der ersten Halfpipes überhaupt, es folgten obstacle-course und boarder-land. Sehr bald machte man mit großen Wettbewerben auf sich aufmerksam, und mittlerweile ist der Kreischberg ein Klassiker im Weltcup-Kalender. Das große Engagement für die Snowboarder und die perfekte Organisation der Wettkämpfe waren wohl ausschlaggebend, dass man sich nun als WM-Region ins internationale Rampenlicht stellen darf. Dieser Ehre bewusst wurde auch nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt. Nach einer Investitionssumme von acht Millionen Euro kann man mit einer Snowboard-Arena aufwarten, die ihresgleichen sucht: Big Air, Halfpipe mit Flutlicht, Pisten für Parallel Riesenslalom und Snowboard Cross, ein zusätzlicher Vierersessellift und eine leistungsfähige Beschneiungsanlage mit 18 Schneekanonen. Zu erreichen ist das alles bequem zu Fuß oder eben per Board. Sämtliche der insgesamt acht Wettbewerbe werden im Stadion vor dem begeisterten Publikum enden. Vergleicht man die WM 2003 mit der ersten Meisterschaft aus dem Jahre 1995, einer Zeit lang vor Olympischen Spielen und großen Sponsoren, hat sich so einiges getan im Boardersport. Damals versuchte man, durch die deutliche Anlehnung an den Skisport Respekt in der weiten Welt des Sports zu erreichen. In alpinen Einzelwettbewerben carvten so Raceboarder auf ihren langen Planken um Anerkennung. Mittlerweile hat man erkannt, dass Snowboarden eine eigenständige Sportart geworden ist, die sich nicht hinter anderen zu verstecken braucht. Spätestens mit den Olympischen Spielen sind die Pioniere von damals und somit auch die Freaks von heute salonfähig geworden. Die Einzelrennen wurden durch die weit spektakuläreren Parallelwettbewerbe ersetzt, und mit Halfpipe und Boardercross wurden Events geschaffen, die mittlerweile von den Skifahrern kopiert wurden. In insgesamt acht Kategorien wird das begehrte Edelmetall vergeben. Im parallelen Slalom und Riesenslalom, im Boardercross sowie in der Halfpipe und erstmals im Big Air gehen die Sieger mit dem Titel des Weltmeisters auf die nächste Party. Über eine Woche lang treten 300 Athleten aus 35 Nationen gegeneinander an. Auch das ist absoluter Rekord. Resultierend sicherlich aus der Tatsache, dass sich aus einem anderen Wettstreit im Vorfeld ein klarer Sieger hervorgetan hat: In den vergangenen Jahren kämpften zwei Verbände um die Vorherrschaft bei den Boardern. Entschieden wurde hier durch ein klares K.O. der FIS (Federation Internationale du Ski) über die ISF (International Snowboard Federation). Diese meldete Insolvenz an, und so messen sich in diesem Jahr tatsächlich zum erstenmal die besten Fahrer der Welt auf einem Event. Eine Tatsache, die endgültig die Seriosität des Boardens unterstreicht. Doch keine Angst, das heißt noch lange nicht, dass jetzt auch die wilden Parties abgeschlossenen Trainingscamps weichen müssen. In Kreischberg trifft man sich auf dem eigens aufgeschütteten Sandstrand zur Beachparty. Irgendwie bleibt doch alles beim alten.
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