Schärf das Klingbeil
Aufstellungen von Fußballmannschaften habe ich schon immer gerne gelesen. Ich lese die Spielernamen und stelle mir die Gesichter dazu vor. Michael Mutzel, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Patrick Milchraum. Ich überlege, was Florian Dick, Tomasz Bobel und Otar Khizaneishvili für Typen sind. Ob sie fair spielen oder fies. René Klingbeil ist Manndecker beim Hamburger SV. Als Stürmer hätte ich große Angst vor einem Gegenspieler, der Klingbeil heißt. Klingbeil klingt kompromisslos, nach tiefen Schnittwunden, nach jemandem, der in jeden Zweikampf beilt. Nach jemandem, der sich traut, 'Hattrick' als After Shave zu benutzen. Nach gnadenloser Brutalität. 'Sag mal Schatz, wie heißt der neue Nachbar?' - 'René, glaube ich, René Klingbeil.' - 'Um Gottes Willen, pack nur das Nötigste, wir müssen sofort die Stadt verlassen!'
Benedetto Muzzicato klingt anders. Nach schwarzen Haaren, die in Pomade schwimmen, nach Dreitagebart und Hackentrick. Nach einem Virtuosen, der muzzicatomäßig den Ball streichelt. Ein Name, der ein eigenes Straßenschild verdient. In Oberneuland - Muzzicato in diesem Nobelvorort von Bremen - könnte sich niemand beschweren, würde er im Benedetto-Muzzicato-Weg wohnen. Gerne würde man dort Besuch empfangen: 'Komm doch zu mir, Benedetto-Muzzicato-Weg 12.' Niemand würde auf die Idee kommen, seine Freunde in die René-Klingbeil-Gasse einzuladen. Dort werden Gegner fachgerecht in Stücke zerlegt und nach dem Abpfiff lächelnd ans Publikum verkauft. So dachte ich zumindest - bis ich ihn das erste Mal spielen sah. Nun ja, er ist ein fairer Spieler, der ohne blutige Fouls auskommt. Keine Kopfschlächtervisage. Keiner, der etwas für seinen Namen kann. Ich glaube, René K. ist ein richtig netter Kerl.
Oliver Lück ist Redakteur beim monatlich erscheinenden Fußballmagazin RUND
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