Rund um Fussball
Am schönsten ist es auf der Bank
Was haben wir ihn früher gehasst: Waldemar Hartmann, den Schnauzbart, Ex-Gastwirt und Duzfreund aller Spieler, Trainer und Manager seit Gründung der Bundesliga. Wie er hinter dem Mikrofon herumkumpelte und seinen Bayern harmlose Fragen stellte. Oder vor der 'Sportschau'-Dekoration stand wie der Gebrauchtwagenhändler vor dem Toyota Corolla. Überhaupt, der Spitzname: So heißt doch wirklich nur der Dackel von Oma Franz.
Dann kam der 6. September 2003. Der damalige Teamchef Rudi Völler ging auf Hartmann los, als gäbe es kein Morgen mehr. Aber der, mittlerweile ohne Schnäuzer - reagierte richtig souverän. Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und nahm selbst persönliche Beleidigungen humorvoll ('Mensch Rudi, auf Island gibt's doch gar kein Weißbier'). Je cholerischer Rudi Völler schimpfte, desto sympathischer wurde Waldemar Hartmann.
Das war zunächst ein Schock, aber im Nachhinein der Beginn eines erstaunlichen Imagewandels. Hartmann schien plötzlich Witz zu haben, und Beckmann/Kerner gingen sowieso viel mehr auf die Nerven. Bei den Olympischen Winterspielen in Turin zeigte sich dann, dass Hartmann sogar die seltene Fähigkeit der Selbstironie besaß: Er ging mit seinem Lieblingsentertainer Harald Schmidt auf Sendung und lachte immer am lautesten über die Witze, die Schmidt auf seine Kosten machte. Kein Zweifel: Waldemar Hartmann war cool.
Jetzt darf Waldi nach den Spielen nicht mehr den Bundestrainer interviewen. Monica Lierhaus hat den Job bekommen, und den macht sie gut. Waldi wird zwar abends wieder einem Fernsehstammtisch vorsitzen wie in Turin. Aber allein die Tatsache, dass er rund um die deutschen Länderspiele eine Lücke hinterlässt, ist erstaunlich. Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommt: Waldi, wir werden dich vermissen.
Malte Oberschelp arbeitet als Redakteur beim Fußballmagazin RUND
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