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Bild: Zander, Lotto und nichts

Zander, Lotto und nichts


Bekommt wirklich jeder Verein die Stadionhymne, die er verdient? Das ist wohl so, denn ohne spezielle Einlaufmusik wird heute kein Fußballspiel mehr angepfiffen. Die Berliner Hertha schafft es, auch im modernisierten Olympiastadion die Atmosphäre einer verrauchten Kneipe in Wedding zu erzeugen, wenn Frank Zander seinen Neunziger-Schlager 'Nur nach Hause' ins Mikrofon knarzt. Versuche, die Arena mit einem Song von Seeed zu entlüften, sind bislang nicht mehrheitsfähig, denn Fußballfans sind konservativ - und manchmal etwas seltsam. Beim Hamburger SV haben sie für diesen Part Gerrit Heesemann alias Lotto King Karl. Zur akustischen Gitarre sorgt er schon vor Anpfiff für Wehmut, so dass die Anhänger der derzeit so erfolglosen Hanseaten in die richtige Bluesstimmung versetzt werden. Das Beste: Lotto singt live 'Hamburg, meine Perle', während ihn eine Hebebühne hydraulisch über den Fanblock schweben lässt. Die Kraft der Inszenierung wird auch beim Lokalrivalen FC St. Pauli eingesetzt, um dem deprimierenden Alltag in der Regionalliga zu trotzen. Die 'Hells Bells' von AC/DC haben mal die Weltstars des FC Bayern eingeschüchtert. Inzwischen laufen die Talente von Kickers Emden beschwingt auf den Rasen am Millerntor. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortführen, in allen Stadien wird die Anlage ohne jeden Grund auf Konzertlautstärke aufgedreht. Aber es gibt auch andere Fußballkulturen, die nahezu komplett ohne Beschallung auskommen. In Spanien wird auf Musik in den Arenen verzichtet. Dass dort schlechterer Fußball gespielt würde oder die Fans weniger Spaß hätten, ist nicht bekannt.


Matthias Greulich ist Redakteur des Fußballmagazins RUND


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