Run um Fussball
Fußball und Religion
Ende Februar gab es im Irak einen Anschlag auf den Fußball. Neben einem Fußballplatz in der Stadt Ramadi explodierte eine Autobombe, 18 spielende Kinder starben. Es ist nicht das erste Mal, dass die islamistischen Aufständischen den beliebtesten Sport der Welt attackierten. Fußball steht bei den radikalen Kräften der Region für Verwestlichung, Internationalisierung und Frauen in kurzen Hosen. Im Afghanistan der Talibans war Fußball verboten. Obwohl Osama Bin Laden sogar schon Spiele seines Lieblingsclubs Arsenal besucht hat.
Die abgrundtiefe Abneigung hat auch damit zu tun, dass der Fußball mit dem Christentum eins scheint. Gerade in den großen, weltweit beachteten Ligen ist christliche Symbolik unübersehbar. In Spanien, Italien, Deutschland und England bekreuzigen sich viele Spieler, bevor sie das Spielfeld betreten. Nach wichtigen Toren lüften manche Kicker ihr Trikot, darunter steht 'Jesus liebt dich'. All das wird via TV in die ganze Welt verbreitet. Auch in die arabische. Die Menschen dort müssen glauben, dass alle Fußballer im Westen missionarisch veranlagte Christen sind. Das schürt den Hass mancher auf den Fußball als solches.
Dass die Verbände nun die Zurschaustellung religiöser Gesten und Aussagen auf dem Platz verbieten wollen, ist deshalb richtig. Toleranz bedeutet auch, den anderen nicht ständig mit seinen Überzeugungen auf die Nerven zu gehen. Ich jedenfalls habe genug von den Cacaus dieser Welt, wie sie beim Torjubel verklärten Blickes über den Rasen rutschen, als wäre ihnen gerade der Herrgott höchstpersönlich erschienen. Für so etwas gibt es immer noch die Kirche - und nicht den Fußballplatz.
Malte Oberschelp ist Redakteur des Fußballmagazins RUND
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