unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

  • Text: A. Hartung
  • Preis: Preis: 10 Euro
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Red Snake Bugboy


In Hideshi Hinos Gedanken möchte man nicht spazieren gehen. Was der Mann auf unschuldiges Papier bannt, ist geradezu beängstigend grotesk und eine schöne Gelegenheit alles, was einem im ersten Gedanken zu Manga einfällt, fast direkt ins Klo zu spülen. Er inszeniert mit glubschäugigen, maskenartigen Zeichnungen kleine verstörende Kammerspiele, in denen viel Blut fließt, viel gestorben wird und sich Springbrunnen aus Eiter und Verwesung in die Höhe stemmen. Natürlich liegt es nahe, die David Lynch-Vergleichskeule zu ziehen. Aber wenn sich die Großmutter in 'Red Snake' für ein eierlegendes Huhn hält, das sich in ihrem Zimmer ein Nest gebaut hat und jeden verjagt, der sie beim Eierlegen stört oder die Mutter jeden Morgen dem Großvater mit den Füßen massierend das riesige Eitergeschwür am Kopfe ausdrückt, bis er wohlig stöhnt, fällt es schwer, damit nicht zuzuschlagen. Und der Schmerz ist ja auch ein angenehmer. Wenn man sich erstmal verloren hat in dieser Welt, beginnt man die kleinen hässlichen Protagonisten der düsteren Geschichten lieb zu gewinnen. Kleine großköpfige Wesen mit riesigen triefenden Augen, die einsam und bestenfalls ignoriert an ihrem Platz leben und wenigstens zur eigenen Familie gehören wollen. Da kann es auch schon mal passieren, dass der kleine Käferfreund sich eines Morgens in eine riesige Raupe verwandelt. Und auf Kafkas Leiche beginnt, blutige Rache zu nehmen. An der Familie, an Schulkameraden und an dir! Die Welt ist ein düsterer Ort, und sie ist verrückt geworden.



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