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Bild: Joe Strummer - The Future Is Unwritten
  • Text: Gordon Gernand
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Joe Strummer - The Future Is Unwritten
They were (not) for sale


Dass es kein richtiges Leben im Falschen geben kann, nicht ohne Verrat am Selbst, dass der Kommerz die Kunst irgendwann doch einholt, dafür waren The Clash ein prototypisches Exempel. Der Film von Julien Temple über ihren unzähmbaren Idealisten Joe Strummer, der mit Mick Jones den kreativen Nukleus der Band bildete, dokumentiert und symbolisiert das Scheitern - und die Größe und Schönheit dieses Scheiterns. Besser ausbrennen als rosten.
Eine Beobachtung vorneweg: Die Bildsprache der Musik- und Banddokumentation hat sich geändert. Wo früher noch unaufgeregte Chronistenpflicht herrschte, Album für Album, Umbesetzung für Umbesetzung gecheckt und abgehakt wurde, da strömen nun emotionalisierende Stilisierung und visuelle Effekthascherei durch alle Poren. Sogar Referenzen an andere Erzählwelten werden eingeflochten, George Orwells 'Animal Farm' oder Lindsay Andersons 'If'. Die Chronologie der Biographie bleibt jedoch gewahrt. Alte Kameraaufnahmen vom kleinen Joe mit Familie im Garten, seine rührig-juvenilen Kritzeleien, Joe als langhaariger Tramp. Dann The Clash, die siffigen Clubs, die wehenden Fahnen der Anti-Nazi-League. Leider auch die unvermeidlichen, alten Weggefährten und Haudegen von früher, die ins Lagerfeuer sinnieren und erzählen, wie es war. Darauf konnte oder wollte Temple nicht verzichten. Es ist die einzige klischierte Unschönheit, die er sich geleistet hat. Ansonsten steht da eine grandios bebilderte Dokumentation, die Musik immer in den Kontext der bewegten Zeit setzt, in der sie entstand und wirkte. Vielleicht die größte Stärke dieses Films.


Da fällt es auch nicht sofort auf, dass 'The Future Is Unwritten', wohl eher unfreiwillig, von der nüchternen Erkenntnis durchdrungen ist, dass Rock'n'Roll nicht die Welt verändert - auch wenn Strummer bis zum Schluss etwas anderes geglaubt hat. The Clash haben gegen alle Ungerechtigkeiten dieser Welt angeschrieen und angespielt. Haben der Welt Alben geschenkt, die nur Stärke und Willen, kein Verzagen und kein Aufgeben kennen. Doch keiner konnte verhindern, dass die Briten die marktradikale Sektenpredigerin Margret Thatcher wählten. Dass der Megaerfolg von 'Combat Rock' das Ende einläutete. Dass 'Rock The Casbah' im US-Militärradio den Irak-Krieg untermalte. Und da war dann noch die Sache mit 'Should I Stay...' und Levis 501. The Clash waren doch irgendwie verkauft worden. Vielleicht sind das auch nur die Unfälle, die in der Rock-Geschichte alle Nase lang passieren.
Strummer hat all das nicht umgehauen. Dass er bis zum Ende Optimist blieb, ist ein Zeugnis irritierend unbeirrbarer Kraft. Ausgerechnet Bono spricht die eigentlichen Schlussworte: 'Das einzige, was mich an The Clash anpisst, ist, dass es sie nicht mehr gibt.'

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