unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

DEMODESASTER


Im gonna send him outer space
„That's one small step for man, one giant leap for the mankind“, sprach Neil Armstrong, als er vor 40 Jahren am 21. Juli als erster Mensch seinen Fuß in den Mondstaub setzte. Wow, muss das großartig gewesen sein! Heute geht die Raumfahrt davon aus, dass in 15 Jahren Menschen auf einer Raumstation permanent auf dem Mond wohnen können. Armstrong rührt heute im Übrigen die Werbetrommel für bemannte Marsmissionen, so dass wir aus Anlass seiner historischen Leistung die Bands in diesem Monat jeweils mit einem entsprechenden Empfangskomitee begrüßen.

ABREAKTOR
ANY DAY NOW AND
Alex O. aka Abreaktor hat sich ganz der erweiterten Sozialität des www verschrieben. Ihr wisst schon, Web 2.0 und so. Der Soundtüftler aus Düsseldorf testet seine Tracks zuvor im Netz und schraubt das Feedback in sie ein. Fünf Stücke haben es am Ende auf die EP geschafft. Und diese knacken, knurpsen und schwurbeln ebenso krumm und verrückt wie es die Musik eines Aphex Twin oder Squarepushers tut. Kein straightes Elektro-Rummsdibumms also, sondern aufgekratztes Synthesizer- und Sampling-Tetris, in dem die flächigen Sounds nur zeitweise Raum zur Entfaltung finden. Wir stehen ja auf so was, deswegen Daumen hoch, Herr O. und Netzgemeinde!
8 Marsmännchen
Heimat: myspace.com/abreaktor

ANDRÁSSY
THIS IS WHERE WE MET
Weswegen sich eine Band aus München nach einem ungarischen Premier aus dem 19. Jahrhundert benennt, wissen wir nicht, hat sie doch augen- und ohrenscheinlich kaum politische Ambitionen. Vielmehr wagt sie ein Konzeptalbum in Post-Rock, das sich mit Ausflügen gen Emo um eine gescheiterte Liebesbeziehung spinnt. Andrássy treiben es dabei nicht ganz so ausladend wie andere Gitarrenflugvertreter, Kopfkino ist trotzdem drin. Der Fünfer macht szenisch alles richtig, was gleichzeitig nicht einer gewissen Problematik entbehrt. Denn bis auf den Indie-Moment bei „Those Fourty Percent...“ mit seiner schönen Trompete bleibt er dem leidlich bekannten Storyboard verhaftet, das leider nicht mehr wirklich fesseln kann. Trotzdem eine gute Genreplatte.
6 Marsmännchen
Heimat: andrassymusic.com
Live: 4.7. Grafing - Jig *** 25.7. München - Wombats Music Festival

FAT MANS WAR FACE
THE WHITE LIGHT
Die Apokalypse droht, will uns das Cover wohl sagen. Das auf Songlänge gedehnte Intro mit Streichereinlage lässt erst einmal nichts Böses ahnen, führt uns aber an der Nase herum. Denn eigentlich sind Fat Mans War Face in Sachen (Death-)Metal-Core unterwegs. Der alsbald losbrechende Groove ist mächtig und drückt. Insgesamt setzen die Berliner auf eingeführte Mosh- und Blast-Standards, garniert mit Growls aus der Todesgrube, man kennt das ja. Allerdings gelingt es FMWF immer wieder, mit kleinen Gitarren-, Sampling- und Rhythmik-Spielereien für Überraschungsmomente zu sorgen. Uns bleibt deswegen vor Aufregung nicht gleich die Spucke weg, zu einem veritablen Krawallklumpen gerät „The White Light“ damit aber allemal.
6 Marsmännchen
Heimat: myspace.com/fmwf
Live: 22.7. Brandenburg Krach am See *** 24.7. Berlin - SO 36

NEW RADIO
EXPLICIT NEW
Neu, und das auch noch explizit? Nun, der erste Höreindruck klingt ganz schön vertraut. Und zwar nach Shirley und ihren Garbage-Boys. Na gut, ein wenig rauchiger ist der Gesang schon, was daran liegen mag, dass hier ein Sebastian und keine Frau Manson ins Mikrofon quengelt. Im weiteren Verlauf schält sich jedoch immer mehr ein gewisser Brian Molko aus seinen Stimmbändern. Auch Sebastians Mitstreiter scheinen Brit-Pop mit Hang zum Pathos etwas abgewinnen zu können. Gemeinsam haben sie drei hübsche Indie-Songs gemacht, die noch nicht zur Heavy Rotation gereichen. Das Potenzial haben New Radio jedoch durchaus, auch wenn das „New“ etwas überkandidelt erscheint.
6 Marsmännchen
Heimat: newradio-music.com
Live: 4.7. München - SZ Stadt-Land-Rock Festival

NOTE.
MY CITY OF GHOSTS, STARS AND HOURS
Songtitel gibt es bei Note. keine. Eine Stimme auch nicht. Stattdessen vertrauen die Pfälzer ganz auf instrumentale Wirkungsmacht. Kaum verwunderlich, dass sie sich in Progressive-Land zuhause fühlen. Und so wandern sie in Landschaften voll weit flirrender Sounds herum. Das erinnert natürlich an Mogwai, allerdings sind Note. rockiger und jazziger unterwegs. Wirklich packend sind die Geschichten allerdings nicht, die der Vierer von seinen Reisen mitbringt. Vor allem in den sessionartigen Passagen können sie nur wenig Tiefe erzeugen und stolpern stattdessen etwas zu klimperverliebt aneinander vorbei. Insofern ein etwas durchwachsener Trip.
5 Marsmännchen
Heimat: myspace.com/noteband
Live: 17.7. Pirmasens - Smash Festival

RAKETENSOMMER
RAKETENSOMMER
Wie eine Rakete ist dieser Sommer ja bislang noch nicht abgegangen, jedenfalls nicht in Berlin. Sollten jedoch in den kommenden Wochen ein paar lauschige Abende drin sein, böte sich die EP des gleichnamigen Trios durchaus als passende Untermalung an. Raketensommer schwelgen in von Celloklängen assistiertem Akustik-Pop, ganz in Liebe und Freiheitsdrang getaucht. Dabei verschenken sie Gänseblümchen statt roter Rosen, Deine-Augen-sind-so-wunderschön-Kitsch kommt ihnen jedenfalls nicht über die Lippen. Stattdessen suchen sie ihr Heil in schüchterner Poesie, die trotzdem hoffnungslos romantisch ist. Wer also noch Beschallung fürs zweisame Weintrinken auf dem Balkon sucht, ist hier ganz richtig.
6 Marsmännchen
Heimat: raktensommer.de

SHELLYCOAT
RATTLE, RATTLE HERE COMES THE...
In Sachen Design reicht Shellycoat niemand so schnell das Wasser. Der Sumpfkrake auf dem Cover macht jedenfalls einiges her. Auch musikalisch haben die Jungs von den Hamburger Landungsbrücken alle Planken beieinander und zocken melodiegetränkten Punkrock, der dreckig im Ton, aber blitzsauber in der Darbietung daherkommt. Ihre Debüt-EP klingt frisch, schnörkellos und gut durchlüftet. Dass überdies noch fantastische Singalongs wie bei „What's Inside“ am Start sind, setzt dem Ganzen die Matrosenkappe auf. Derartige Geniestreiche gelingen (noch) nicht immer, in Sachen Kompaktheit und Tightness ist „Rattle, Rattle...“ aber auf alle Fälle ein Statement.
7 Marsmännchen
Heimat: shellycoat.de
Live: 10.7. Pinneberg – JZ *** 16.7. Hamburg - Rote Flora *** 25.7. Berlin - Orwoground Festival

STØR
FILET
Die einen nennen Størs Musik lieblichen Terror-Jazz, andere wiederum sprechen von fieser Lounge-Musik. Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen. Wir halten fest: Zunächst können die fünf Jungs, allesamt in fesch-grelles Elastan gehüllt, ihre Instrumente spielen, als da wären Gitarre, Bass, Schlagzeug, Trompete und Rhodes-Synthesizer. Diese verquirlen sie zu einem knusprigen Groove, der regelmäßig von exzellent vorgetragenen Soli aufgebrochen wird. Die Grundstimmung ist gediegen, bei verschärftem Tempo blitzt jedoch auch mal eine Spur von Furor auf. Wir schlagen deshalb als Etikett „bissigen Filigran-Funk“ vor. Am Ende tut's aber auch das gute alte „Spitze!“.
8 Marsmännchen
Heimat: myspace.com/stoere


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