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Bild: Elektro-Kolumne

Elektro-Kolumne
Feiern wie die Weltmeister


Wenn es noch nach dem Willen der offiziellen Stellen geht, dann sollen wir zur Fußball-WM mit Shakira und afrikanischen Beats feiern. Wer sich daran nicht halten mag, wird in Sachen Party-Soundtrack auch bei Pop und Elektro fündig. Denn da machen derzeit so viele hörenswerte Neuerscheinungen die Runde, dass man problemlos eine eigene WM nur mit ihnen veranstalten könnte.
In der Vorrunde ausscheiden würden dabei die Chemical Brothers mit "Further" (EMI) und Faithless mit "The Dance" (PIAS/Rough Trade). Den alten Hasen aus England fehlt - trotz gelegentlicher lässiger Momente - einfach die spielerische Leichtigkeit, mit der die Konkurrenz aufwartet. Und mit plumpen Reggae-Anbiederungen schießen zumindest Faithless auch ein echtes Eigentor.
Eine Runde weiter kommt Sebastien Tellier mit "Sexuality: Remixes" (Record Makers). Aeroplane, Boys Noize und andere spielen mit den Songs seines 2008er Albums und können damit durchaus punkten. Nur die Brillanz der Originale erreichen sie eben nicht. Mit noch bunteren Mischungen erzielen die Sampler "Moshi Moshi Singles Club 2" (Moshi Moshi/Rough Trade) und "Kitsuné Maison 9" (Kitsuné/Rough Trade) Achtungserfolge. Zwei der coolsten Label der vergangenen Jahre liefern mal wieder einen Überblick ab, um sich und die Fans zu feiern: hier Knackiges von Florence & The Machine, Mirrors oder The Drums; dort lässiger Chic mit den Crookers und Yelle, Yuksek oder Two Door Cinema Club. Auch nicht schlecht: die "DJ-Kicks" (!K7/Alive) von Juan MacLean und James Holden.
Großartiges ist im Halbfinale mitzuerleben. Der ewige Geheimfavorit Trentemøller legt mit "Into The Great Wild Yonder" (In My Room/Rough Trade) sein zweites Album vor, auf dem er so dichte, komplexe Klangwelten entwirft, dass man sich darin auch nach dem fünften Hören noch verirren kann. Und Ellen Allien, ein noch älterer Hase der Techno- und Elektro-Szene, wirbelt mit "Dust" (BPitch Control), ihrem spannendsten, nahbarsten Album seit langem, so viel Staub auf wie selten.
Das Finale machen aber zwei junge Damen unter sich aus: Uffie, die schon seit gut vier Jahren eine Hype-Welle vor sich hertreibt und trotzdem erst jetzt ihr Debütalbum "Sex Dreams And Denim Jeans" (Warner) veröffentlicht, sowie Ellie Goulding, die mit "Lights" (Polydor/Universal) so etwas wie die 2010er-Antwort auf La Roux ist. Wer auf Elektro-Pop steht, kommt an keinem dieser beiden starken Alben vorbei. Die Nase vorn hat am Ende aber die noch etwas facettenreicher (allerdings von weniger Beats getriebene) Goulding, schon allein weil sie sich nicht wie Uffie auf einen längst bekannten Knaller wie "Pop The Glock" zurückgreifen muss.
Text: Patrick Heidmann



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