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Bild: Kele Okereke
  • Text: Patrick Heidmann
  • Label: Wichita/Cooperative Music/Universal
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Kele Okereke
The Boxer


PRO:
Bedeutet dieses Soloalbum von Frontmann Kele das Ende von Bloc Party? Gute Frage, aber fast möchte man meinen, dass das nicht das Schlimmste wäre. Denn so viel Spaß wie Okerekes Einzeldebüt hat die Band eigentlich seit ihrem Erstling "Silent Alarm" nicht mehr gemacht. Die bei Bloc Party immer nur am Rande ausgelebte Leidenschaft für Tanzbares und Elektronisches wird auf "The Boxer" ziemlich zentral in den Vordergrund gerückt, ohne dass man befürchten müsste, die Indie-Rock-Ideale würden hier ganz über Bord geworfen. Viel mehr liefert der Brite etwas ab, was sonst derzeit vor allem weibliche Songschreiberinnen wie Marina & The Diamonds schaffen: ein Pop-Album, das musikalisch wie textlich immer mit mindestens fünf Bällen gleichzeitig jongliert, ohne einen fallen zu lassen, und dabei zu zwei Dritteln aus Hits besteht. Clever, aber nicht überfrachtet, und lässig-frisch, ohne banal zu werden.
Text: Patrick Heidmann

CONTRA:
Bloc Party-Frontmann Kele Okereke veröffentlicht ein computergesteuertes Album, um die fiesen stilistischen Fesseln seiner Hausband hinter sich zu lassen. Die hat zwar mit ihren letzten Alben bewiesen, dass sie sich kreativ kaum einschränken muss, aber bitteschön, gönnen wir Okereke seinen Egotrip. Der allerdings führt ihn zeitweise auf höchst fragwürdiges Terrain, denn Keles Elektro-Pop-Inkarnation bearbeitet vorwiegend jenes popkulturelle Ödland, dessen Herrscher eigentlich PerryClarksonCyrusKe$ha-Produzent Dr. Luke ist. Dass ein eigentlich hochbegabter Musiker wie Okereke sich im Video zur Ibiza-tauglichen Single "Tenderoni" nicht entblödet, den Lady GaGa-Roboter nach zu tanzen, macht die Sache nur noch ärgerlicher. Denn so schafft er es selbst den ungewohnt offenen, langsameren Stücken auf "The Boxer" den Anstrich schmieriger Charts-Puzzleteile zu verleihen. Manchmal wäre die KreativPAUSE eben doch das richtige.
Text: Richard Solms



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