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Bild: Elektro-Kolumne

Elektro-Kolumne
Elektro-Herbst


DJ Mehdi ist tot und Moderat gehen erst einmal wieder getrennte Wege. Pünktlich zum Herbst scheinen sich traurige Nachrichten gerade zu häufen. Aber zumindest letzterem Fall kann man Positives abgewinnen. Denn nach dem Supergroup-Experiment bringen Apparat und Modeselektor nun fast gleichzeitig wieder Soloalben heraus – und das bedeutet: gleich zwei neue Meisterwerke! Was Sascha Ring aka Apparat mit "The Devil’s Walk" (Mute/Good To Go) und Gernot und Szary mit "Monkeytown" (Monkeytown/Rough Trade) vorlegen, ist Elektronisches auf höchstem Niveau. Apparat hat sich – wohl auch dank der Live-Erfahrungen – soweit wie nie in Richtung Song und handgemachter Musik entwickelt, wobei er nicht nur bei "Black Water" düster die Herbstfeuchte aus den Boxen tropfen lässt. Und Modeselektor loten die Grenzen ihrer technoiden Beats soweit aus, dass auch Gäste wie Thom Yorke und sogar Miss Platnum dazwischen ein buntes Plätzchen finden. Von Kumpel Ring übrigens ganz zu schweigen, so dass auch ein Moderat-Happy End in Reichweite liegen dürfte!

Kein bisschen weniger groß und vor allem noch düsterer: "Conatus" (Souterrain Transmissions/Universal), das grandiose dritte Album der wunderbaren Zola Jesus. Kühl und trocken die Elektro-Beats, geheimnisvoll und stark ihr dunkler Gesang, unbedingt in einer Liga mit Fever Ray oder Austra. Ganz anders, ganz eigen und ganz besonders toll ist derweil "Arabxilla" (BPitch Control/Rough Trade), das Debüt der venezuelanischen Wahl-Berlinerin Aérea Negrot. Bekannt u.a. vom letzten Hercules & Love Affair-Album, schwebt sie auf faszinierende, berückende Weise nicht zur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen Avantgarde-Pop und experimenteller Elektronik, tiefer Melancholie und frechem Witz.

Auf diesem Niveau kann nicht jeder ganz mithalten. Pyrolator immerhin erweist sich auf "Neuland" (Bureau B/Indigo), dem ersten Soloalbum seit 24 Jahren, auf der Höhe der Zeit, was elektronische Clubmusik angeht. Ivy allerdings, die sich mit "All Hours" (Nettwerk/Soulfood) ebenfalls nach langer Pause zurückmelden, versanden etwas zu oft in seichten Pop-Gewässern. Poppig ist auch das Duo New Look mit seinem Debüt "New Look" (!K7/Alive), wenn auch auf eine bezaubernde, geradezu romantische Synthie-Weise, die nicht nur Ladytron-Fans gefallen dürfte. Als Enttäuschung entpuppt sich dagegen "Playing in the Shadows" (Vertigo/ Universal) von Example. Der Brite würde gerne den Spagat zwischen Calvin Harris und The Streets schaffen, scheitert aber meistens an seiner eigenen Hipster-Prolligkeit.



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