unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

Bild: Justice
  • Text: Thomas Müller
  • Label: Ed Banger/Warner
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Justice
Audio Video Disco


Spätestens seit die Chemical Brothers und Daft Punk Mitte der Neunziger erfolgreich mit Wirkstoffen aus Rock und Dance-Musik herumexperimentierten und so ein neues Genre schufen, erscheinen in schöner Regelmäßigkeit Generika, die das Rezept mehr oder weniger filigran abpausen und in neun von zehn Fällen auf der Stelle zu den Rettern der modernen Popmusik ernannt werden. Das Justice-Debüt schlug 2007 oberflächlich betrachtet in die gleiche Kerbe, machte aber so vieles, wenn nicht anders, dann doch cleverer als die Kollegen und beförderte die beiden herrlich schluffigen Franzosen völlig zurecht zur neuen Konsens-Pop-Sensation! Die Rolle der übercoolen Corporate Identity-stiftenden Spielereien, wie dem allgegenwärtigen Kreuz und großartigen Videos sollte zwar niemand unterbewerten, dennoch verdienten sich Justice vor allem durch die überragende und für Franzosen relativ unsperrigen Dance-Rock-Symbiose ihre Meriten, die weit mehr war als nur Update der Ur-Formel. "Audio, Video, Disco" hebt das Konzept nun tatsächlich auf ein neues Level, das ist nicht mehr nur bloße Addition, sondern Konvertierung des ollen Classic-Rock ins Elektro-Periodensystem. Der Dancefloor wird zum Nebenschauplatz. Sogar die seit den Spätsiebzigern allseits geächteten Mittelalterelemente werden resozialisiert. Justice schreiben ab sofort richtige Songs und beweisen, dass ihre größte Stärke eben nicht die Selbstinszenierung ist. Volltreffer!


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