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Bild: THE XX
  • Text: Gordon Gernand
  • Fotograf: Erik Weiss
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THE XX
Die Party ist vorbei


Eine neue junge Band aus dem Vereinigten Königreich tritt auf den Plan und möchte nur eins: mehr von der Welt sehen. Und natürlich, dass mehr Menschen ihre Musik hören. Hätte man sich denken können.

London muss eine verwüstete Stadt sein. Deutsche Touristen fallen wie Heuschrecken über die Carnaby Street her und kaufen die Geschäfte leer, das schwache Britische Pfund macht es möglich. Das Finanzzentrum liegt brach, die Schreihälse des ungebremsten Marktes, denen England immer ein fruchtbarer Mutterboden war, halten die Klappe. Margaret Thatcher dämmert in der Demenz. Gordon Brown packt die Koffer, sein halbes, desolates Kabinett ist schon an die frische Luft gesetzt. Die Party des ewigen Wachstums ist vorbei. Zurück bleiben verunsicherte Teenager, die durch die Straßen streifen und nach einem Sinn, wenigstens nach Liebe suchen.

So wie The XX, vier 19-Jährige aus dem gediegenen Stadtteil Wandsworth, die in dieselbe Schule gingen wie die Jungstars von Hot Chip und auf ihrem Debüt eine Musik spielen, die sich gut in die Krisenstimmung einpasst. Minimalistische Melancholie, sparsam instrumentiert, geschult am gothischen Pop der Achtzigerjahre - The Cure, Joy Division. Gitarren, die klingen, als seien sie in einer gähnend leeren Lagerhalle aufgenommen worden. Muffige Synthie-Beats. Im Video zu ‘Crystalised’, einem veritablen Ohrwurm, stehen sie wie singende Zinnsoldaten in Reih und Glied vor einer Leinwand, auf der nichtige bunte Bilder flimmern. Sänger und Bassist Oliver Sim könnte ein Draufgänger sein, der in der Disco auf Brautschau geht, wie viele in seinem Alter. Doch auch er wirkt wie sediert.

In ihren Texten umkreisen sich Sim und Sängerin/Gitarristin Romy Madley Croft immer aufs Neue, ohne sich je zu treffen. Wie zwei traurige Satelliten im leeren Weltraum. „Oliver und ich kennen uns, seit wir drei Jahre alt sind. Beim Texten und Singen nehmen wir häufig unterschiedliche Sichtweisen an. Wir singen uns nicht an, wir waren nie ein Liebespaar. Aber wir funken auf derselben Wellenlänge.“

Es ist nur ein Scheinwiderspruch, dass die Musik kalt und distanziert klingt, die Texte aber emotional sind. Es sind Assoziationen und Versatzstücke, punktuell und fragmentarisch, austauschbar. Auch der Bandname hat keine tiefe Bedeutung, es sei denn, man lässt pure Ästhetik als Antwort gelten. „Der Buchstabe X sieht schön aus, Oliver fand das auch, also haben wir ihn gleich zweimal hintereinandergesetzt.“ Mehr nicht.

Alle Dinge streben ihrer ureigenen Bestimmung entgegen. Die Bestimmung des NME ist es, jede Woche die Fanfare zu blasen und das neue, heiße Ding zu präsentieren. Die kargen Klänge von The XX zum hochoffiziellen In-Sound der Hauptstadt zu erklären, passt in diese Zeit, auch wenn Croft alles anders sieht: „Wir sind nicht politisch. Dazu lebe ich viel zu sehr in meiner eigenen Welt. Ich schreibe über ganz Persönliches, verpackt in einen Sound, den keine andere Band hat.“

Ihre Affinität zu den Achtzigern wissen im Augenblick vor allem die älteren Semester zu schätzen: „Wir haben bislang vor allem vor Leuten gespielt, die über 30 sind. Vielleicht erinnert sie unsere Musik an die Zeit, als sie noch jung waren.“ Als sie noch jung waren. Als alles besser war. Angeblich? Vermutlich!

Text: Gordon Gernand Foto: Erik Weiss
Heimat: myspace.com/thexx


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