- Text: Florian Hayler
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Spinnerette
Das neue Leben der Brody Dalle
Abgetaucht ist sie, drei Jahre lang. Brody Dalle nutzte die eigens verordnete Auszeit vom Rampenlicht, um zu sich selbst zu finden, zu heiraten, eine Tochter zu bekommen und sich mit Bedacht an ihre musikalische Reinkarnation heran zu tasten. Nun ist die Metamorphose abgeschlossen und aus dem einstigen Krustenpunk bei den Distillers wurde die nachdenkliche Frontfrau von Spinnerette – einer Band, für die Scheitern keine Option ist.
„Wie einen großen Wanderzirkus“ möchte die 30-jährige Mutter eines Mädchens namens Camille ihre neue Band aufziehen, wie ein Karussell, bei dem die Mitglieder je nach Lust, Zeit und Laune auf- und wieder abspringen können. Nur der Kern bleibt erhalten. Neben Brody gehört dazu Gitarrist Tony Bevilacqua, Dalles Sidekick aus Distillers-Tagen und „langjähriger Freund und geschätzter Musikpartner“. Gemeinsam mit dem ehemaligen Queens Of The Stone Age-Gitarristen Alain Johannes und dem Gründungsmitglied der Red Hot Chili Peppers, Schlagzeuger Jack Irons, spielte Brody Dalle ihr selbstbetiteltes Debüt ein und schuf einen düsteren, basslastigen Brocken aus Wave, Punk und Prog.
Brody, alle Songs auf dem Spinnerette-Album sind auf dem Bass geschrieben worden. Wieso?
Bei uns zu Hause liegt dieser Sechzigerjahre-Yamaha-Bass rum. Josh hat darauf fast sämtliche Songs von „Lullabies To Paralyze“ geschrieben und nennt das Ding nur den „magischen Bass“. Und es stimmt: darauf schreiben sich die Songs quasi von alleine.
Es heißt, du hättest mit den Songs auf „Spinnerette“ eine Katharsis durchlebt.
Das Album hatte für mich in jedem Fall eine reinigende Wirkung. In meinem Leben ist viel passiert, genau wie auch in meinem Umfeld. Aber neben den Katastrophen und all dem Glück ist das Album thematisch auch durchsetzt von Transformation; von der Entwicklung, die unser Planet durchmacht oder von der Allgegenwärtigkeit der Industrie – egal, wohin man blickt, überall werden natürliche Ressourcen geplündert, der Lebensraum wird immer enger. Darüber mache ich mir Gedanken – gerade als Mutter.
Gibt es denn ein paar Dinge, die dir in der Erziehung deiner Tochter wichtig sind; etwas, das du selbst erlebt hast und ihr nicht zumuten willst?
Ich komme aus einer sehr politischen und sozial engagierten Familie. Meine Mutter war Krankenschwester und Homöopathin, sie schickte mich auch auf diese Bio-Bauernhöfe von „Friends Of The Earth“. Das hat mich natürlich geprägt. Ich möchte meiner Tochter ähnliche Dinge mit auf den Weg geben, aber sie ist noch zu klein dafür. Schon beängstigend, wieviel Macht Eltern haben: Da ist dieser neue Mensch und du kannst ihn komplett programmieren; ihm deine Meinung, deine Gedanken, deine fundamentalen Überzeugungen mitgeben.
Wie wirst du dein Familienleben mit dem Job ausbalancieren?
Josh und ich werden unsere Terminkalender aufeinander abstimmen, das klappt bereits ganz gut. Nur manchmal müssen wir die Schwiegereltern bitten, uns auszuhelfen.
Gibt es ein paar Fehler, die du bei den Distillers gemacht hast, die dir jetzt nicht mehr widerfahren würden?
Schon. Eine Lehre aus der Auflösung der Distillers ist, die Band nicht zu einer Maschine werden zu lassen; zu etwas, das Geld verschlingt, Neid verursacht, Missgunst sät. Eine Band soll den Mitgliedern Spaß und Erfüllung bringen, deshalb rotieren wir im Tour-Line-Up. Wer gehen will, kann gehen – ohne Reue, ohne Frust.
Du bist jetzt 30, Was macht Brody Dalle mit 40?
Sie arbeitet an ihrem zehnten Spinnerette-Album und bringt ihr drittes Kind in den Kindergarten. Danach geht sie in Rente.
Text: Florian Hayler
Heimat: spinnerettemusic.com
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