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Bild: Regina Spektor
  • Text: Torsten Hempelt
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Regina Spektor
Hoffnungsvoll, aber nicht ernst


„Das weiß ich selbst nicht“, lässt Kurt Vonnegut sein literarisches Alter Ego Kilgore Trout einem Zeit- bzw. Buchgenossen in ’Breakfast Of Champions’ auf dessen Frage antworten, ob Trout all diese schrulligen Ansichten, die er so von sich gibt, auch ernst meint. „Und ich werde es erst wissen, wenn ich rausgefunden habe, ob das Leben ernst gemeint ist. Es ist gefährlich, soviel steht fest. Und es kann ziemlich schmerzhaft sein. Das bedeutet aber nicht, dass es auch ernst ist.“

So sehr Regina Spektors Augen bei der Nennung des 2007 verstorbenen Autoren leuchten - all zu häufige Konfrontation mit ganz ähnlichen Fragen und die oftmals damit einhergehende Beschreibung ihrer Lieder und Person als „quirky“, also in etwa „schrullig“, haben sie in den gut zehn Jahren, die sie mittlerweile Musik veröffentlich, dann doch eher genervt als gefreut. Aber - ganz in Vonnegutscher Denkungsweise hat sie eine Art gefunden, damit umzugehen: „Ich habe es mir anders überlegt, und nun macht es mir nichts mehr aus, so bezeichnet zu werden. Ich denke, die Welt ist surreal und absurd - und gleichzeitig sehr lustig und seltsam. Wenn die Menschen sich aber gerne einreden möchten, alles sei logisch, linear und ‘normal‘ - was auch immer das heißt - dann finde ich gerade das sehr sonderbar! Andererseits kann ich jedoch nachvollziehen, dass ich jemandem, der glauben möchte, die Welt sei einfach zu verstehen, ’schrullig’ vorkomme. Aber Danke der Nachfrage!“

Ähnlich souverän und charmant geht die 29-Jährige mit nahezu jeder Frage um, ohne dabei für einen Moment abgedroschen-routiniert zu wirken. Sie, deren „offizieller“ Backkatalog 2001 mit einem selbstproduzierten und -finanzierten Album namens ‘11:11‘ in einer Auflage von 1.000 Exemplaren begann (über deren schließlichen Abverkauf sie „sehr froh“ ist, weil ihr das gute Stück inzwischen etwas peinlich ist), und deren 2006 erschienener Durchbruchs-Longplayer „Begin To Hope“ mittlerweile über eine Million Mal verkauft wurde („Das ist Wahnsinn! Wer sind all diese Leute?“), hofft - wie so viele ihrer Kolleginnen und Kollegen der musizierenden Zunft - dass aus der in ihrem Business schon eine Weile wütenden Krise „vielleicht eine Lehre gezogen wird, die die Situation für alle verbessert - und dass ich nicht wieder in einem dieser schrecklichen Jobs arbeiten muss...“

Wobei deren erster doch eigentlich ganz putzig war: „Direkt nach dem College landete ich auf einer Schmetterlingsfarm - vermutlich angemessen für jemanden, der ein abgeschlossenes Musikstudium hat; denn es zementiert die Tatsache in dein Bewusstsein, dass es eigentlich gar keine Jobs für Musiker gibt. Aber es war toll: Ich konnte die ganze Zeit mit einem riesigen Netz durch Wiesen und Felder laufen und Schmetterlinge einfangen.“

Soviel Spaß ihr das auch gemacht haben mag: Sie hat trotz allem einen - wohlverdienten - Platz auf der Sonnenseite des Musikgeschäftes erhaschen können. Was nicht nur für die freiheitsliebenden Schmetterlinge die beste Lösung ist; auch wir Menschen können durchaus davon profitieren, uns von ihr in ihre schrulligen - pardon: nicht-linearen, songgewordenen Gedanken mitnehmen zu lassen. So auch auf ihrem neuen Album ’Far’, wenn sie dem ‘Genius Next Door‘ genauso ein Denkmal setzt, wie sie fröhlich das ‘Dance Anthem Of The 80s‘ zelebriert, und uns mit ‘Laughing With‘ alle daran erinnern möchte, dass wir schlussendlich vermutlich nicht über Gott lachen, sondern mit ihm. Gleiches gilt für Regina Spektor!

Text: Torsten Hempelt
Heimat: reginaspektor.com


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