- Text: Thomas Müller
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Portugal. The Man
Satanische Verse
„In meinem Kopf passieren immer zehn Sachen gleichzeitig“, krächzt ein hörbar gutgelaunter John Baldwin Gourley, während er gerade den Band-Van zur abendlichen Show kutschiert.
Dass diese Worte mehr sind als Phrasendrescherei, ahnt man - schließlich hat auch die Musik seiner Band Portugal. The Man aus Portland immer den Verdacht erweckt, möglichst alle potentiellen Hörer bedienen zu wollen. Rock, Soul, Psychedelia, Dub, Funk - das und einiges mehr wirbelten vor allem die ersten beiden PTM-Alben zu einem genial eigenen Stil durcheinander.
Auch wenn das aktuelle Album ‘The Satanic Satanist‘ den scheinbar homogeneren, unaufgeregteren Weg, den sie mit ihrem letzten Album, dem Hippie-esken Kritikerliebling ‘Censored Colours‘ eingeschlagen haben, fortzuführen scheint, beherbergt es Musik, die so wohl von keiner anderen Band stammen könnte. Trotzdem hat das Quartett diesmal einiges umgekrempelt und mit alten Gewohnheiten gebrochen: „Wir haben versucht, richtige Songs zu schreiben. So wie eine ‘normale‘ Band“, erklärt der mit einer prägnant hohen Stimme gesegnete Gourley. „Zuvor haben wir einfach so lange gejamt bis wir dachten: ’Das ist es jetzt!’“ Ein weiterer Grund für die Besinnung auf ‘klassisches‘ Songwriting war auch, dass man für ‘Satanic Satanist‘ mit Paul Q. Kolderie (Pixies, Radiohead), Adam Taylor (Lemonheads, Dresden Dolls) und Cornershops Anthony Safferty zum ersten Mal ’richtige’ Produzenten angeheuert hatte. Leute, die nicht dem eigenen Freundeskreis entstammen. „Wir hatten alle ziemlich Schiss, dass das für uns nicht funktionieren könnte. Um im Vorfeld wenigstens einige Reibungspunkte auszuschließen, haben wir die Songs wie besessen geübt, bevor wir ins Studio gingen.“
Den ‘The Satanic Satanist‘-Sound beschreibt John übrigens als Reise in seine Kindheit: „Ich bin in Alaska aufgewachsen, ich hatte damals keine Ahnung, dass so was wie Underground-Musik überhaupt existiert und so war ich aufs Radio angewiesen. Für mich klingt unsere Platte wie das Radioprogramm damals, viel klassischer Rock und Pop, Beatles-Melodien, Neunzigerjahre-HipHop-Beats...“ Wie gesagt, immer zehn Dinge gleichzeitig, aber wir lernen: Multitasking und ADS müssen nicht immer anstrengend sein, denn entspannter und ausgeglichener als Portugal. The Man kann man dieser Tage wohl kaum klingen!
Text: Thomas Müller
Heimat: portugaltheman.net
LIVE: YOUR ARMY, SPITCHILD
20.03.2010
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