unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

Bild: Matt & Kim
  • Text: Timo Richard
  • Kommentar schreiben

Matt & Kim
Jubel, Jubel, Freu, Freu


Matthew Johnson und Kimberly Schifino wirken wie aus einer romantischen Indie-Komödie entsprungen. Sie sind ein Liebespaar, das gemeinsam in einem kleinen Bus durch die USA tuckert, um jeden Abend einen ihrer „Muppet-Show trifft Ramones“-Auftritte zu absolvieren. Von den Anwesenden werden sie hemmungslos abgefeiert.

Brooklyns Antwort auf Marianne & Michael heißt Matt & Kim. Mit offensiv guter Laune und Melodien für Millionen auf den Lippen erspielt sich das Duo zurzeit die Sympathien der globalen Indie-Gemeinde. Ein bisserl Herzilein braucht eben auch die Hornbrillen-Fraktion.

„In dieser Welt ist Platz für etwas Euphorie!“, findet der schlacksige Matt. „Viele Leute erzählen, dass sie unsere Platte auflegen, um morgens besser aus dem Bett zu kommen.“

In die Senkrechte verhilft ‘Grand‘, das zweite Album des Duos, sicher so manchem, immerhin ist es rappelig wie ein Kindergeburtstag mit Cola-Ausschank. Aufgenommen haben Johnson und Schifino das Schmuckstück in Matts altem Kinderzimmer in Vermont. „Ich hatte gehofft, dass wir dort eine Atmosphäre vorfinden würden, in der man kreativ sein kann. Alle meine High School-Punk-Bands haben auch in diesem Zimmer aufgenommen, deshalb dachten wir, es würde sich ein Kreis schließen. Die sechs Wochen dort waren allerdings saukalt und im Endeffekt hätten wir uns an der langen Leine, die wir uns selbst gelassen haben, fast aufgehängt. Zu viel Freiheit kann manchmal tödlich sein.“ Fertiggestellt wurde ‘Grand‘ innerhalb der nächsten sechs Monate in den eigenen vier Wänden.

Das heuristische Prinzip ‘trial and error‘ zieht sich als roter Faden durch die Bandgeschichte. Als Matt & Kim anfingen, gemeinsam zu musizieren, konnten weder Johnson noch Schifino mit ihren Instrumenten – einem verstaubten Keyboard und einem ausgemusterten Drumset – wirklich umgehen. „So sind unsere Persönlichkeiten nun mal gestrickt. Wir sind beide ziemlich unreif“, lacht Matt. „Und unsere Arbeit erlaubt uns, sehr kindisch zu sein, immerhin leben wir gerade einen Kindheitstraum.“ Der im Falle eines Falles auch mal zum Albtraum wird. Nachdem man sich auf den letzten SXSW-Festivals gehörig loben ließ, musste die folgende Tour abgebrochen werden, weil Matt sich den Rücken so schwer verhoben hatte, dass er in den nächsten Wochen auf allen Vieren durch Brooklyn kriechen musste. Der Geschundene gibt sich einsichtig: „Ich bin zu jung, um mich alt zu fühlen. Man muss irgendwann zugeben, dass man zumindest zwei Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen sollte und auch gerne mal mehr als zwei Stunden schlafen. Wenn man so viel unterwegs ist wie wir, wird man nicht automatisch reifer, aber sehr schnell viel älter.“

Text: Timo Richard Foto: Tod Seelie
Heimat: mattandkimmusic.com


ANZEIGE







...zurück



Kontakt -  Impressum -  Mediadaten -  Abo ·  nach oben