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Bild: The Mars Volta
  • Text: Thomas Müller
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The Mars Volta
Geometrie für Anfänger


Bei aller Bewunderung für diese Band - die aus ihren jüngsten Veröffentlichungen gezogene Haupterkenntnis ist, dass selbst ein grenzenloser Soundkosmos nicht vor einer gewissen Routine schützt!

Der Überraschungseffekt, den The Mars Volta damals mit ihrem Debüt ‘De-Loused In The Comatorium‘ erzielen konnten, schien trotz konstant guter Alben langsam zu verblassen. So weit die Grenzen auch sein mögen, die Rezeptur haben sie nie groß verändert, allenfalls die Dosierung der Zutaten! Das nun erscheinende fünfte Studiowerk der Salsa-Prog-Punks ‘Octahedron‘ haut einen dank eines unerwarteten Wendemanövers namens Reduktion dann aber doch wieder einigermaßen aus den Latschen! Einfache Songstrukturen, klare Balladenschlagseite, Null Salsa und genau ein Gitarren-Solo: das Ergebnis ist die wohl seltsamste TMV-Platte überhaupt! Wir haben die beiden Hauptverantwortlichen hinter der Platte, Songwriter/Arrangeur/Produzent Omar Rodríguez-López und Texter/Sänger Cedric Bixler-Zavala getrennt voneinander zu den Hintergründen befragt und durchaus zwiegespaltenes Echo geerntet - es ist wieder spannend im Hause Mars Volta!


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15. März. Vor seinem Berliner Gastspiel mit der Omar Rodríguez-López Group, lädt Namensgeber Omar zum entspannten ‘Octahedron‘-Testlauf mit parallel laufendem Plausch. „Weißt du, für mich war der Entstehungsprozess dieser Platte wie bei jeder anderen auch“, widerspricht das kleine, dünne Energiebündel der These einer bewussten Abkehr von den klassischen Band-Trademarks. „Unsere Philosophie ist es, uns nicht zu wiederholen, und da unsere letzte Platte ein solcher Shitstorm aus Gewalt und Negativität war, fühlte es sich nur natürlich an, zu vereinfachen und wegzulassen“, erklärt Omar, der mit seinem vergoldeten Siebziger-Kassengestell und der stetig abstrakter werdenden Frisur immer mehr vom Funk-Gott zum verrückten Professor zu mutieren scheint. „Jeder Mars Volta-Song klingt am Anfang genau so wie auf unserem neuen Album, mit ganz klassischen A,B,A,C-Strukturen und so weiter. Normalerweise denke ich dann ’Da müsste ein Part A1 dazwischen und dort B2’, und dann schneide ich wie ein Chirurg daran herum, bis es für mich Sinn ergibt. Diesen Schritt habe ich diesmal ausgespart. Ich wollte in Richtung klassische Pop-Musik der Fünfziger, Sechziger, Shangri-Las und so.“

Das und die Tatsache, dass Omar laut Eigenaussage rund 300 fertige Songs in seinem Laptop hat, die er jederzeit nach Belieben zu einem Album zusammenstellen kann, erklärt dann auch die kurze Entstehungszeit von drei Wochen im bandeigenen Studio, die ‘Octahedron‘ bis zum fertigen Masterband benötigte. In jedem von Omars Worten schwingt eine übermäßige Zufriedenheit mit - in Bezug auf sich selbst und die Platte. Schön.

Weit weniger euphorisch klingt Sänger Cedric zwei Monate später: „‘Octahedron‘ ist nicht meine Lieblingsplatte, sie ist mir zu simpel. Einfache Musik für einfache Leute. Unsere Fans sind hauptsächlich Nerds, und mit diesem Album wollten wir neue Fans erreichen“, gibt er unumwunden zu und klingt dabei fast zynisch. „Ich würde dir gern was zum Konzept der Platte sagen, aber es ist einfach schon zu lange her, dass wir daran gearbeitet haben. Ich weiß es einfach nicht mehr. Es basiert aber alles auf den Kidnappings in unserer Heimatstadt. Genauer gesagt geht‘s um Dinge, die plötzlich verschwinden können - Liebe, Hass, der Manic Street Preachers-Typ.“ Ein für TMV-Verhältnisse sehr unscharfes Konzept, aber wie gesagt: alles neu.

Verschwinden werden TMV so schnell jedenfalls nicht, da sie nun auf die nächste Karriere-Stufe zusteuern. Ob das auch die „Nerd-Fans“ mittragen, muss sich aber erst noch zeigen!

Text: Thomas Müller Foto: Michael Rizzi
Heimat: thebedlam.net

Jeff Jordan

Wer „Amputechture“ und/oder den Nachfolger „The Bedlam In Goliath“ bereits sein Eigen nennt, dem dürfte auch das Artwork von „Octahedron“ bekannt vorkommen, denn wie bei den beiden Vorgängern dient ein Werk des zeitgenössischen, US-amerikanischen Surrealisten Jeff Jordan als Vorlage. Jordan gibt vor allen Dingen griechische Mythologie als Einfluss an und gilt als Pionier der so genannten „Lowbrow Aesthetics“. Optische Täuschungen und Verschiebung der Größenverhältnisse sind sein Steckenpferd, so sieht man schon mal mutierte Riesenküken oder Frauen mit Entenbeinen durch seine bizarren Welten laufen. Oder in des Meisters Worten: „Wenn diese Kreaturen wirklich existierten, könnten sie ein Produkt der Umweltverschmutzung sein? Wäre ein 100 Fuß großes radioaktives Hühnchen in der Lage, einem Zyklopen in den Arsch zu treten? Oder Godzilla? Wie würden sie leben und was würde unser Verhalten ihnen gegenüber uns über uns selbst verraten?“ Einen besseren Illustrator hätten sich The Mars Volta also wohl kaum wünschen können! Weitere Infos unter jeffjordanart.com


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