- Text: Patrick Heidmann
- Fotograf: Erik Weiss
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La Roux vs. Little Boots
Wettstreit der Blog-Pop-Prinzessinnen
Die eine ist 20 Jahre alt, hat kurze rote Haare und gibt sich schrill-burschikos, die andere ist fünf Jahre älter, trägt die Haare lang und blond und ist eher der elegant-verträumte Typ. Echte Verwechslungsgefahr besteht also eigentlich keine, aber nicht nur in der britischen Presse werden Elly Jackson und Victoria Hesketh gerne in einem Atemzug genannt.
Oder besser noch: ähnlich wie damals Blur und Oasis in direkte Konkurrenz gestellt. Was daran liegen dürfte, dass die beiden als La Roux bzw. Little Boots gerade gleichzeitig als Retterinnen des Elektro-Pop gefeiert werden – und in Deutschland sogar ihre Debütalben am selben Tag veröffentlichen.
Dass sich die beiden miteinander messen lassen mussten, war schon vor einem halben Jahr so, als es offiziell noch gar keine Musik von ihnen zu kaufen gab. Als die BBC zum Jahreswechsel Experten und Blogger befragte, wer im Pop-Geschäft das ganz große Ding 2009 werden wird, kam Little Boots auf Platz 1, La Roux (offiziell ein Duo, aber Produzent Ben Langmaid hält sich im Hintergrund) immerhin auf Platz 5. Schon damals war der Hype enorm – auch weil beide Paradebeispiele dafür sind, wie man heutzutage zum Pop-Star wird.
„Ohne Facebook, MySpace oder YouTube geht in dieser Branche nichts mehr“, erklärt Hesketh, die ihre Karriere in der Elektro-Girl-Group Dead Disco begann und auf YouTube handgemachte Little Boots-Clips aus ihrem Schlafzimmer postet. „Einer Plattenfirma heute noch ein Tape als Bewerbung zu schicken, ist ungefähr so ergiebig wie eine Flaschenpost.“ Auch La Roux’ Elly ist schwer auf Zack, wenn es um den Weg zum Ruhm geht: „Wenn man nicht auf allen Kanälen präsent ist, geht einfach nichts. Außerdem muss man von Anfang an alles parat haben: ein paar coole Songs, Videos, Outfits – ein komplettes Image.“
In dieser Hinsicht machen sowohl Little Boots als auch La Roux alles richtig. Die Videos sind aufwändig, das Styling ist so hip und lässig, dass selbst Zeitschriften wie die Vogue Schlange stehen – und das Beste sind in der Tat die Songs. La Roux setzen auf dem selbstbetitelten Erstling ganz auf kühle Synthie-Beats, die direkt den Achtziger-Maschinen von Yazoo oder Human League entsprungen sein könnten, während auf ‘Hands’ von Little Boots die elektronischen Melodien ein bisschen süßer und fluffiger daherkommen, fast so als wolle man Kylie Minogue neidisch machen.
Auch offline klingt das, auf durchaus unterschiedliche Weise, nach ganz großem Pop, wie er moderner derzeit nirgends zu hören ist. Und das ist natürlich immer noch, wie Hesketh glaubt, das Entscheidende: „Natürlich ist das Internet wichtig, aber gerade Blogs sollte man nicht überschätzen. Nur weil du bei der Hype-Machine ganz oben stehst, heißt das noch lange nicht, dass dir der Durchbruch gelungen ist. Die Musik muss auch jenseits dieser Szene bestehen können.“ Zumal die virtuelle Welt durchaus ihre Tücken hat, wie Jackson erklärt: „Es ist ein super Start, wenn du von Anfang an im Internet bejubelt wirst. Aber das Schwierige ist, diesen ganzen Hype dann auch über Monate am Laufen zu halten. Sonst ist alle Aufmerksamkeit verpufft, bis deine CD wirklich in die Läden kommt. Das ist in diesem Jahr schon einigen passiert.“
Ein Seitenhieb auf die Kollegin, die zu Jahresbeginn noch die Nase vorn hatte? Offiziell will niemand von Konkurrenz sprechen, schließlich sei das ein Medienkonstrukt „von Neandertalern, die alles in einen Topf schmeißen, was weiblich ist und elektronische Musik macht“ (Jackson). Und außerdem ist es fast egal, ob am Ende Little Boots mehr CDs verkauft oder doch La Roux. Denn der Gewinner in diesem Wettstreit ist ohnehin der Elektro-Pop, der gleich zweimal neues Leben eingehaucht bekommt.
Text: Patrick Heidmann
Foto Little Boots: Erik Weiss
Heimat: laroux.co.uk , littlebootsmusic.co.uk
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