- Text: Fabian Soethof
- Fotograf: Katja Kuhl
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Jupiter Jones
Hallo Angst, Du Arschloch!
Einmal Katatonien und zurück: Jupiter Jones erwecken sich selbst aus der Starre
„Grönemeyer? Mit dem Vergleich kann ich sehr gut leben!“ Gitarrist Sascha Eigner hockt neben Sänger und Songschreiber Nicholas Müller in einem winzigen Berliner Backstage-Zimmerchen und ist sehr guter Dinge. Es ist Frühjahr, Jupiter Jones gehen mit ihrer ’Das Jahr In Dem Ich Schlief’-EP auf neue Tuchfühlung, der Titeltrack dient als Kampfansage und Vorabsingle zu ’Holiday In Catatonia’, ihrem dritten Album in sechs Jahren. Ein bisschen nervös ist Sascha aber auch nach der Show noch, weil die Ziele hehre sind: „Wir wollen in die Charts!“.
Den Mut zum Pop, den Drang zum Pathos, all das hörte man Jupiter Jones schon auf dem guten wie polarisierenden Vorgänger ’Entweder Geht Diese Scheußliche Tapete - Oder Ich“ in jeder Pore an. Der raue Punkrock ihrer frühen Tage wich einem Gespür für größere Momente, das Herzblut blieb. Viel mussten sie sich anhören: Von Revolverheld war da die Rede, oft von Silbermond. Immer seltener von Hot Water Music und Muff Potter. Heute, mit zwei Jahren Abstand, versteht Nicki solche Vergleiche. „Einige Songs waren hart an der Grenze, ja“, sagt er und erinnert sich an zu viel Naivität bei den damaligen Aufnahmen, an zu wenig Halt im Privaten und an Labelprobleme, die Jupiter Jones beinahe in die Knie zwangen.
All das ist jetzt Geschichte. Saschas Ein-Mann-Label ’Mathildas’ und Jupiter Jones tragen sich gegenseitig, alle könnten sie kaum stolzer sein auf ’Holiday In Catatonia’: „In Schockzuständen können Menschen in eine Katatonie verfallen. Sie verharren in der gleichen Position, ohne sich äußern zu können“, erklärt Nicki die ungewohnten Retrospektiven. „Für unbestimmte Zeit, manchmal auch für den Rest ihres Lebens.“ Jupiter Jones hätten sich in selbiger befunden, sagt er - „bis wir uns erfolgreich befreiten!“.
’Holiday In Catatonia’ ist kein Befreiungsschlag. Es ist ein Manifest der Selbstreferenz, eine Erkenntnis der vergangenen Jugend, ein Abgesang auf immerwährende und altbekannte Durchhalteparolen und Pop und Punkrock in jeder Sekunde. Als Gäste holten sich Jupiter Jones alte und neue Bekannte wie Jana Pallaske, Ingo Donot und Oliver Rohrbeck an Bord und Mikrofon, ein so ansagefreudiger und wütender Opener wie ’Das Zu Wissen’ wurde dieses Jahr in Deutschland noch nicht veröffentlicht. Und Jupiter Jones’ Mut zum Fortschritt wird belohnt, wie Sascha zur endlichen Veröffentlichung zu Protokoll geben kann: „Wir sind gerade in die Albumcharts eingestiegen!“
Text: Fabian Soethof
Heimat: jupiter-jones.de
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