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Bild: Jochen Distelmeyer
  • Text: Marcus Willfroth
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Jochen Distelmeyer
Die hohe Kunst des Alleinseins


Er galt als Vordenker der deutschen Independent-Szene, nun sucht Jochen Distelmeyer solo das Glück. ‘Heavy’ nennt sich sein Debüt nach dem Ende von Blumfeld und soll beweisen, dass die Zeichen der Zeit auf Veränderung stehen.

Wie er da sitzt, im schneeweißen Anzug, die Haare perfekt gescheitelt und die Schuhe blitzblank poliert! Jochen Distelmeyer ist zufrieden, weint seiner alten Band keine Träne hinterher und freut sich auf die Karriere als Solokünstler: „Ich erkannte schon auf den Abschiedskonzerten mit Blumfeld, dass es für mich nur mit Musik weitergehen kann. Eine genaue Vorstellung gab es natürlich nicht, aber nach und nach kamen mir neue Ideen und ich dachte: Hey, das ist ja ein Song und da, schon wieder einer.“

Das Ergebnis dieser Ideen nennt sich ‘Heavy’ und ist seine erste Platte als Alleinunterhalter. Auch wenn es so wirkt, eine große Umstellung ist das Ganze für ihn nicht – im Gegenteil: „Von einem nahtlosen Übergang möchte ich nicht sprechen, denn anfänglich war es komisch mit neuen Leuten zusammen zu arbeiten. Irgendwie aber auch vertraut: Bei Blumfeld habe ich ja schon den Großteil der Songs losgelöst von der Band geschrieben“, erklärt Distelmeyer und richtet stilbewusst seinen Kragen. Freilich ist das, was wir nun geboten bekommen, nichts völlig Neues. Vielmehr setzt ‘Heavy’ dort an, wo die letzten Blumfeld-Alben aufhörten: Starker Pop-Appeal kombiniert mit rauhen Gitarren-Passagen und Lyrics, die mal über die Leichtigkeit des Seins philosophieren, um im nächsten Moment die Probleme im Hier & Jetzt anzuprangern.

„Einige haben bestimmt erwartet, dass ich was komplett anderes mache. Doch für mich war klar, dass es nicht mit Drum’n’Bass oder so weitergeht – ich kann nur die Songs schreiben, die mir in den Kopf kommen. Auf der neuen Platte sind zehn davon enthalten.“ Zehn Songs, die auch schon einige Live-Auftritte hinter sich haben. Bei denen gibt Distelmeyer auch weiterhin Blumfeld-Songs zum Besten. Eine klare Abgrenzung ist somit nicht vorhanden und auch gar nicht nötig. „Es gibt keinen Grund die Vergangenheit zu beenden, ich mag die alten Sachen und will sie auch spielen.“

Text: Marcus Willfroth Foto: Nic Frechen
Heimat: jochendistelmeyer.de


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