- Text: Florian Hayler
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Life´s A Mixtape
Heute mit: Die Goldenen Zitronen
Nach ihrer öffentlichen Häutung dank der sagenhaften Doku-DVD „Material“ schlagen die Goldenen Zitronen das nächste Bandkapitel auf: Trotz meist entgegengesetzt tickender Herzen und Hirne der Bandmitglieder Schorsch Kamerun und Ted Gaier wurde das neue Zitronen-Werk „Die Entstehung Der Nacht“ zu einem Album, das seiner Zeit mal wieder gut voraus ist. Im Mixtape blicken wir aber noch mal kurz zurück.
Was ist der beste im Dialekt gesungene Song?
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Ted: Alles von den Cockney Rejects!
Schorsch: Ich liebe Josef Bierbichler, den Schauspieler, der ganz toll die Lieder von Hanns Eisler singt. Oder die von Schubert oder Mahler, aber ganz merkwürdig mit seinem unbehauenen bayerischen Dialekt. Trotz seiner physischen Präsenz haben die Lieder so eine Feinheit, das finde ich wunderbar.
Gibt es einen guten Elektro-Song, zu dem man nicht tanzen kann?
Ted: Es gibt was von Jay Denham, meinem Lieblings-Technoproduzenten: „Trash Can“. Denham ist so ein Detroit-Techno-Typ und das Stück ist sehr hart. Der Beat ist nur „dandandan“, total untanzbar.
Schorsch: Ich glaube sowieso nicht, dass elektronische Musik reine Tanzmusik sein muss. Es gibt ja auch viel Elektronisches komplett ohne Beats. Und sphärische Sachen, Filmmusik oder so.
Welcher ist der schlimmste Rock-Song, der je verfasst wurde?
Ted: Das würde jetzt dem Rahmen sprengen. Also so eine Top 50 kann man vielleicht machen.
Schorsch: Wir können ja einen nennen, den wir wirklich blöd finden.
Ted: „Eye Of The Tiger“.
Schorsch: „We Built This City On Rock‘n‘Roll“, „Give Me Hope Joanna“ und „Lady In Red“.
Ted: Komischerweise stammt das alles aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. „Modernen“ Rock kann man gar nicht ernst nehmen.
Gibt es einen guten Song von Queen?
Ted: Da gibt es ja nur gute Songs. Sogar das Spätwerk ist noch einigermaßen okay, „A Kind Of Magic“ und so. Ich würde mich für die Band nicht prügeln, aber parteiisch bin ich schon.
Gibt es eine bandinterne Motivationshymne, die euch durch die größten Krisen geholfen hat?
Ted: Wir sind nicht so Jungs-Typen, die sich dann abklatschen und so. Das hatten wir früher mal.
Schorsch: Ich überlege gerade, ob ich so was wie eine Motivationshymne habe. Aber ich hatte schon immer Schwierigkeiten damit und empfinde das teilweise auch als schade. Es gibt ja so Leute, die können sich in einer gewissen Wehmut mit einer Musik begleiten lassen; wenn sie Liebeskummer haben, dann bringen die sich wieder in Gang mit einer bestimmten Musik. Mit Cockney Rejects oder so (lacht).
Welcher Song bringt euch am besten durch die Nacht?
Schorsch: Ich will meine Ruhe haben. Tagsüber aber auch…
Ted: Durch was für eine Nacht? Wo man romantisch rumknutscht oder ekstatisch durchtanzt? Also ich habe eine Zeit lang Fotos entwickelt, nachts in der Dunkelkammer, und dann lief immer Deutschlandfunk, so um vier Uhr morgens, wo sie erst moderne Komponisten spielen und dann klassische. Eine Nacht lang habe ich auch mal „This Is Not A Lovesong“ von PIL gehört, knutschend auf LSD. Darin steckte so viel Wahrhaftigkeit. Als das Lied rauskam, war das auch der Schlusspunkt von Punk.
Welchen Eröffnungssong würdet ihr für die WM 2010 wählen oder komponieren?
Schorsch: Man fühlt sich sofort aufgerufen, diese Frage kaputt zu machen.
Ted: Fußball und Songs, das ist too much. Aber es gibt natürlich Momente, gegen die man sich nur schwer wehren kann, zum Beispiel bei St. Pauli – auch für mich, der ich gar kein richtiger Fan bin. Aber wenn bei „Hells Bells“ von AC/DC diese Glocken losgehen und die Mannschaften einmarschieren, das ist großes Theater.
Text: Florian Hayler
Heimat: die-goldenen-zitronen.de
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