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Bild: Auf der Couch mit
  • Text: Florian Hayler
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Auf der Couch mit
Rivers Cuomo (Weezer)


Weezer-Frontmann Rivers Cuomo ist das komplette Gegenteil von dem, was man sich unter dem Begriff „Rockstar“ vorstellt:

Er ist nicht besonders groß, sein Milchgesicht zierte oft eine überdimensionale Hornbrille und in Modefragen ist der Mann irgendwo zwischen 1957 und 1982 stecken geblieben. Dass Rivers trotz vermeintlicher Defizite in Sachen Hipness und Flirtfaktor zur abgöttisch verehrten Stil-Ikone wurde, erklärt sich der King of Nerds vor allem durch sein kompromissloses Festhalten an seiner größten Stärke: dem Instinkt!

Rivers, auf deinem neuen Album „Ratitude“ hast du erstmals mit Künstlern aus anderen Genres kollaboriert. War das Zusammentreffen mit diesen Musikern eher eine persönliche oder eine musikalische Herausforderung?
Beides, irgendwie. Obwohl ich anfangs schon eine Menge Respekt davor hatte, mich auf so viele verschiedene Persönlichkeiten einstellen zu müssen. Bisher schrieb ich meine Musik meist allein, und plötzlich saß ich mit Jermaine Dupri oder Lil Wayne zusammen und musste HipHop mit Pop und Weezer-Rock kombinieren. Das war schon ein Experiment und hat mich große Überwindung gekostet, aber das Ergebnis begeistert mich dafür umso mehr.

Warst du schon zu Schulzeiten eher ein schüchterner, eigenbrötlerischer Zeitgenosse oder standest du stets im Mittelpunkt?
Unterschiedlich. Einerseits sah ich nicht aus wie die coolen Typen aus der Football-Mannschaft und war nicht sonderlich populär, andererseits hatte auch ich meine kleine Gang, von der ich sogar so etwas wie der Anführer war. Ich war also nie allein oder ausgestoßen, saß aber auch gerne mal in meinem Zimmer und las Nietzsche.

Gab es in deiner Jugend etwas, das dich dazu inspiriert hat, Musiker zu werden?
Ironischer Weise inspirierten mich dazu mehr die Worte der Menschen, die sagten, aus mir würde niemals etwas werden. Sie waren der Grund, warum ich hart an mir gearbeitet habe. Als Teenager hätte ich niemals zu träumen gewagt, einmal in einer erfolgreichen Band zu spielen, aber ich habe einfach auf meinen Instinkt vertraut, bin nach L.A. gezogen und bin heute Sänger einer Band, die wiederum Inspiration genug für andere ist, an die Verwirklichung ihrer Träume zu glauben.

Betrachtest du dein Dasein als Musiker manchmal als zu limitierend? Bist du zu klug für das Leben in einer Band?
Sagen wir’s so: Als Weezer Mitte der Neunziger erfolgreich wurden, hat mich der Lifestyle einer Band ziemlich schnell angeödet – vier gelangweilte Typen, eingepfercht in einem Bus auf der Fahrt zum nächsten Auftritt. Ich war unzufrieden, unausgeglichen und fühlte mich geistig unterfordert. Also bin ich zurück an die Uni gegangen. Damals standen die Chancen, dass ich eines Tages zur Musik zurückkehre, eher schlecht. Heute aber kann ich Rock- und Pop-Musik wieder wertschätzen und bin überzeugt, dass Musik die Poesie unserer Zeit ist. Deshalb glaube ich auch an Weezer und gebe der Band 100% von dem, was ich habe.
Wo holst du dir den Ausgleich zum Bandleben?
Bei meiner Familie, bei meiner Frau und meinem Kind. Außerdem meditiere ich, was mir ganz gut tut. Als Kontrast dazu gönne ich mir auch meine Dosis Party- und Musikerleben, was in Kombination mit den zuvor erwähnten Ruhequellen dazu führt, dass ich heute nicht mehr so unberechenbar und unzuverlässig bin wie einst, sondern ziemlich ausgeglichen.

Woran musst du noch arbeiten?
Ein erfolgreicher Künstler sollte sich gut bewegen können, eine tolle Aura haben, fantastisch aussehen, in Geschäftsfragen ein glückliches Händchen besitzen und insgesamt einfach ein hervorragender Entertainer sein. Ich denke, da liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor mir.

FAZIT
Wenn es so etwas gibt wie das Paradebeispiel für einen Selfmade-Man, dann Rivers Cuomo. Aus sämtlichen vermeintlichen Nöten machte der 39-Jährige eine Tugend und ist seit rund 15 Jahren das Idol tausender bebrillter Außenseiter, die in Weezer ihre eigene, kleine Gang gefunden haben.


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