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Bild: Auf der Couch mit:
  • Text: Christine Stiller
  • Fotograf: Tim Gaylord
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Auf der Couch mit:
William Fitzsimmons


William Fitzsimmons ist ausgebildeter Psychotherapeut. Deshalb konnten wir dem Singer/Songwriter nicht mit unserer stümperhaften Analysemasche kommen, sondern mussten es ein wenig geschickter angehen. Wie viel Seeleningenieur steckt im Alltagsmenschen Fitzsimmons?

Fällt es dir schwer, das Verhalten anderer NICHT automatisch zu analysieren?
William: Sehr schwer! Du wirst in der Psychotherapeuten-Ausbildung darauf trainiert, mit den Menschen auf eine bestimmte Art umzugehen. Ich ertappe mich oft dabei, Freunde und Familie wie ein Arzt zu interviewen und kein normales Gespräch zu führen. Sie sagen mir dann einfach, ich soll‘s lassen. Aber es ist tatsächlich nicht leicht für mich, nur ein normaler Zuhörer zu sein.

Hast du deine Jobwahl je bereut?
William: Nie, denn ich habe das Gefühl, genau das gewählt zu haben, was für mich vorgesehen war. Die Psychologie fühlt sich natürlich an, während mir der ganze Zauber um die Musik - das Touren, die Studioaufnahmen - seltsam erscheint, so als würde ich den Job eines Fremden machen.

Was gefällt dir an der Psychologie, sagen wir mal in Bezug auf das Unbewusste?
William: Was ich bei den frühen Analytikern, besonders bei Carl Jung schätze: Sie haben verstanden, dass auf der einen Seite der Teil unserer Persönlichkeit steht, den wir anderen Menschen präsentieren, unsere gute, sozialverträgliche Seite. Dann gibt es da aber noch den sogenannten „Schatten“, unsere dunkle Seite. Wir alle haben die Kapazität, sehr gut und sehr böse zu sein.

Wie hilft dir deine Psychologie-Ausbildung im Musikbusiness?
William: Das ist so wie bei Superman, der sich mit seinem Röntgenblick alle Leute nackt ansehen könnte, es aber nie machen würde. Ich bin ein netter Kerl und würde nicht versuchen, jemanden zu meinen Gunsten zu manipulieren. Wenn es allerdings darum geht, mich zu verteidigen und den Braten rechtzeitig zu riechen, wäre ich vielleicht sensibler dafür.

Wärst du manchmal gern kein Grübler?
William: Absolut! Es gibt zwei Typen von Menschen: die einen leben in ihren Köpfen, die anderen außerhalb. Ich bin so mit meinen Gedanken involviert, dass es manchmal wirklich ermüdend ist, weil mein Gehirn permanent arbeitet. Ich wünschte, ich wäre entspannter. Während ich jetzt mit euch rede, denke ich zum Beispiel darüber nach, was ich wie sage, wie ich aussehe... Aber genau das hat mir wiederum als Therapeut geholfen.


FAZIT
Ein Naturtalent. Jeder, der mal mit diesem Empathiewunder reden durfte, würde sicher am liebsten gleich die nächste Sitzung buchen. Doch die Tatsache, dass sich die aktuelle Platte nur um seine Scheidung dreht, passt irgendwie nicht ins Bild vom Allesversteher und beweist: auch Psychologen sind nur Menschen.

Text: Christine Stiller
Heimat: williamfitzsimmons.com
Auch gut: „The Sparrow And The Crow“ - das aktuelle Album

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