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  • Text: Timo Richard
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These New Puritans


Musikalische Megalomanie ist wohl die treffendste Beschreibung für „Hidden“, die zweite Langspielplatte aus dem Hause These New Puritans.

Wenn sich die Brüder Garnett und ihre Kollegen ans Album-Reißbrett setzen, wird dick aufgefahren. Zwei riesige, per Lastwagen angelieferte Japanische Tempeltrommeln, ein Blasorchester, ein paar Hochleistungsrechner und ein Geräuschemacher, der sonst in Film, Funk und Fernsehen eingesetzt wird, waren vonnöten, um „Hidden“ in exakt das schräge Stück Musik zu verwandeln, das es jetzt ist. Wer Melonen mit Crackern beklebt, um das Geräusch eines eingeschlagenen Kopfes zu simulieren, beweist nicht nur Fantasie, sondern hat sicher noch andere „interessante“ musikalische Ideen...

Welches Geräusch ist unmöglich im Studio nachzuahmen?
George Barnett: Geräusche von vorbeirauschenden Patronen gehen gar nicht. Wir haben versucht, Nägel so schnell es geht an einem Mikro vorbeizuwerfen, aber das hat nicht funktioniert...

Wessen Songideen würdest du gerne einen Tag lang selbst haben?
Jack Barnett: Die Ideen einer sexy Frau. Aber ich weiß gerade nicht, welche das sein könnte...

Das beste Schlagzeug-Solo, egal ob mit oder ohne Tempeltrommeln, ist auf welchem Album?
George Barnett: Ich habe keine Ahnung wie das Album heißt, aber das beste Schlagzeug-Solo ist von Bill Bruford, dem Drummer von King Crimson.

Welcher klassische Komponist teilt euren Sinn für Dramatik?
Jack Barnett: Definitiv Benjamin Britten. Er ist der beste Komponist aller Zeiten und ich liebe seine Musik sehr. Wahrscheinlich kommt das daher, dass er und wir von der südenglischen Küste stammen. In seinen Kompositionen kannst du das Leben in einer rauhen, unwirtlichen Landschaft hautnah miterleben. Er mischt Brutalität und Melancholie, das finde ich faszinierend.

Und welcher zeitgenössische Musiker liegt da auf eurer Wellenlinie?
George Barnett: Michael Jackson.
Jack Barnett: Naja, eher Bands wie Van Der Graaf Generator. Oder vielleicht Peter Gabriel. Oder deutsche Bands wie die Einstürzenden Neubauten. Wobei ich denen lieber zusehen würde, als selbst den Presslufthammer zu bedienen.

Bei welchem Film-Soundtrack habt ihr euch sehr gegruselt?
Jack Barnett: Ich sehe gar nicht viele Filme, auch wenn ich viele Ideen daher nehme. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist viel zu kurz für einen ganzen Film. Aber der Soundtrack zu „Mulholland Drive“ von Angelo Badalamenti ist wirklich gruselig – und damit meine ich nicht schlecht.

Welches Album, das euch sehr wichtig ist, wird in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt?
George Barnett: Ganz klar. „Outside“ von David Bowie. Das ist eine meiner ewigen Lieblingsplatten. Das ist seine Industrial-Platte, klingt nach Nine Inch Nails. Sie wurde unglaublich schlecht beworben und hat dementsprechend wenig Aufmerksamkeit abbekommen.
Jack Barnett: Und außerdem hat die Industrial-Szene wahrscheinlich nicht viel für David Bowie übrig gehabt.


Foto: Harley Weir


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