unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

Bild: Auf der Couch mit
  • Text: Christine Stiller
  • Kommentar schreiben

Auf der Couch mit
Dregen (BACKYARD BABIES)


In 20 Jahren Bandgeschichte gehen Knochen zu Bruch, Taxen wechseln den Besitzer und manchmal landet man im Knast. Auch bei Schwedens Lieblingsrockstar Dregen haben all die Jahre auf Tour Spuren hinterlassen. Die Familienbilder zum 20-jährigen Bandjubiläum gibt’s in ihrem Fotobuch „Them XX“, die tiefenpsychologische Analyse hier.

Mit welchen körperlichen Schäden musst du dich mittlerweile herumplagen?
Dregen: Ich habe mir zum Beispiel mal die Nase gebrochen, weil ich mit voller Wucht gegen eine gläserne Hoteltür gerannt bin. Dann habe ich mir zwei Vorderzähne rausgeschlagen und jetzt eine Krone, weil mir ein Fan aus Versehen meinen Mikrofonständer ins Gesicht gehauen hat. Da es schon beim ersten Song des Abends passiert ist, fühlte es sich die ganze Show lang bei jedem Atemzug so an, als würde mir jemand ein Messer in Mund rammen.

Inwieweit hat das Leben in der Band dein Wesen geformt?
Dregen: Ich bin ziemlich bauernschlau geworden, das heißt, ich kann Menschen und Situationen gut einschätzen und schnell darauf reagieren.
Welches Klischee über Rockstars stimmt deiner Meinung nach?
Dregen: Etwas, das wir „LSD“ nennen: Lead Singer Disease. Es ist schon immer was Besonderes mit denen. Man sieht die Sänger nie etwas tragen oder die harte Arbeit machen.

In welcher Situation hättest du dich aus heutiger Sicht selbst als ein arrogantes Arschloch bezeichnet?
Dregen: Oh je, da gab es viele. Ich habe oft blöde Sachen gemacht, zum Beispiel in der Schweiz ein Taxi geklaut. Das war nicht die cleverste Idee, schon gar nicht nach zwei Flaschen Jack Daniel’s. Dafür musste ich drei Tage in den Knast und denen so viel Kohle zahlen wie ich in sechs Monaten verdiene.

Was würdest du nie wieder einwerfen?
Dregen: Jack Daniel’s in Kombination mit einem dicken Joint und LSD – aber das ist lange her.

Was hast du über die Jahre mehr zu schätzen gelernt?
Dregen: Ich weiß meine Mutter noch viel mehr zu schätzen. Wenn man älter wird, reflektiert man mehr darüber, wie gut sie es immer mit einem gemeint hat. Als ich mich mit 15 verabschiedet habe, um auf Tour zu gehen, hat sie mich ziehen lassen. Sie hat immer daran geglaubt, dass das alles klappen wird. Ich weiß nicht, ob ich als Elternteil so locker wäre.

Willst du denn Kinder?
Dregen: Auf jeden Fall. Wenn die Zeit reif dafür ist. Noch bin ich jung. Ich bin gerade mit meiner Frau aus Stockholm raus auf eine Schäreninsel gezogen, da bekommt man ein ganz anderes Bewusstsein für die Welt.

FAZIT
Dregen bezeichnet sich selbst als „sehr schwedisch“ und meint damit „bescheiden“. Als Gitarrist braucht er sich und andere nicht mit „LSD“ belasten. Es schmeckt sowieso nicht mehr. Während andere Musiker auf Trips und Höhenflügen hängen blieben, sitzt er lieber auf der Insel und angelt. Die Entwicklung geht zur Ausgeglichenheit, das Arschlochspielen hat sich erledigt.

Text: Christine Stiller
Heimat: backyardbabies.com
Auch gut: “Them XX”, das neue Fotobuch der Backyard Babies

ANZEIGE



...zurück



Kontakt -  Impressum -  Mediadaten -  Abo ·  nach oben