unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

Bild: The Soft Pack
  • Text: Steffi Erhardt
  • Kommentar schreiben

The Soft Pack
Immer schön Halbmast


Und da knattert und rattert sie wieder, die Hype-Maschine. Seit eineinhalb Jahren und einigen kleineren Veröffentlichungen gelten die Kalifornier von The Soft Pack unter Szenekennern und etablierten Medien gleichermaßen als „das nächste große Ding“.

„Das ist doch Bullshit“, amüsiert sich Gitarrist Matty McLoughlin. „Es gibt jede halbe Stunde irgendein ‘next big thing‘.“ Recht hat er. So geradeheraus und uneitel wie sich Matty im Interview gibt, ist auch das selbstbetitelte Debüt der Kalifornier. Der Vierer füllt die knapp 30 Minuten Spielzeit mit Garagen-Rock und Pop-Punk – melodiös, kantig, ungestüm. Fragt man die Band nach ihrer größten Inspirationsquelle, werden jedoch nicht die Alben von den Stooges, den Buzzcocks oder Television aufgezählt, wie der Sound es durchaus vermuten lässt. Stattdessen nennt Matty die Bewunderung für amerikanische Komiker wie Steve Martin oder Rodney Dangerfield. Wo sich die Stirn zunächst fragend in Falten legt, besteht zweifelsfrei eine Verbindung: „Bei der Comedy geht es darum, eine Geschichte zu erzählen und eine Pointe zu finden. Beim Aufbau eines Songs sollte es genauso sein, jedes Element hat einen Zweck. Der Refrain ist quasi die Pointe.“

Auch hinsichtlich der Wahl ihres Bandnamens scheinen Matty, Sänger Matt, Bassist Dave und Drummer Brian einen Hang zu schrägem Humor unter Beweis zu stellen, versteht man unter einem ‘soft pack‘ doch „einen falschen, schlaffen Penis, den Transsexuelle tragen.“ Tatsächlich ist es bereits der zweite Name für die Combo aus San Diego. Ihre Karriere starteten die vier nämlich als The Muslims. „Ein Professor unseres Sängers erzählte, dass es zwei Typen von Menschen in den Konzentrationslagern gab: diejenigen, die versuchten zu überleben, und die, die schon aufgegeben hatten, Muslime genannt.“ Die Band wählte den Namen auf Grund seines Klangs, Politik oder Religion hätten keine Rolle gespielt, versichert Matty. Umso überraschter war das Quartett, als es von allen Seiten feindliche, meist rassistische Kommentare hagelte. „Es gab Leute, die riefen ‘Dschihad bitch‘ bei Konzerten.“ Die Bezeichnung für ein falsches Genital erschien da schließlich als die bessere, weil weniger kontroverse Option. „Außerdem“, so Matty, „sind wir große Steely Dan-Fans.“ Und diese in den Siebzigern gegründete Band benannte sich bekanntlich auch nach – genau – einem Dildo.

Text: Steffi Erhardt
Heimat: thesoftpackofficial.com


ANZEIGE







...zurück



Kontakt -  Impressum -  Mediadaten -  Abo ·  nach oben